86-jähriges Jubiläum im Oktober 2019

86 Jahre Fleiß und Ausdauer machten aus dem Fleck Erde im Staate S. Catarina ein blühendes und erfolgreiches Tiroler Dorf inmitten des Staates S.Catarina/Brasilien. Unter Führung von Minister Andreas Thaler, der aus der Tiroler Wildschönau stammte, und der diese Gegend mit Bedacht auswählte, kamen im Oktober 1933 die ersten Tiroler und Südtiroler Auswanderer in Dreizehnlinden an.

Andreas Thaler
© privat

Unter den ersten am Schiff, das in Genua ablegte, waren auch mein Onkel Hans Mitterer und meine Tante Rosa. Ihre Eheschließung einige Jahre vorher musste von oberer kirchlicher Stelle wegen der Namensgleichheit, sie war eine Mitterer, die Schwester meines Vaters aus Vahrn/Brixen in Südtirol und Onkel Hans war ein Mitterer, aus Hopfgarten im Tiroler Unterland, geprüft und genehmigt werden. Sie waren kinderreich, beseelt von Pioniergeist und Tatendrang. Das waren auch so viele fleißige Familien mit reichem Kindersegen. Bereits am Schiff gründete Onkel Hans die Musikkapelle,  er war  ein Schüler von Ignatz Mitterer, dem Komponisten des Tiroler Bundesliedes „Auf zum Schwur Tiroler Land“. Die Musikkapelle ist sehr erfolgreich und wird nun vom Dreizehnlindner Kapellmeister Markus Astner geleitet, welcher am Konservatorium in Innsbruck studierte.

Musikkapelle Dreizehnlinden – Banda dos Tiroleses – gegründet 1933 und das alte Haus der Familie Thaler, heute ein Museum
© Ruy Luis Machado

Die ersten Jahre waren sehr hart und entbehrungsreich für alle, auch für die Leute, wie die ersten Auswanderer hauptsächlich aus Tirol, Vorarlberg und Norditalien, die mit den Schiffen 1934 – 1938 in Floreanapolis anlandeten und dann den mehrere 100 km langen Landweg nach Dreizehnlinden antreten mussten. Es gab eine Gemeinschaftsküche und Grund und Boden musste urbar gemacht werden Die ersten Siedler nannten sich zu Recht Pioniere. 1938 verunglückte Minister Thaler, welcher auch mit seiner Familie in Dreizehnlinden siedelte, tödlich.  Da er Dreizehnlinden auf sich eintragen ließ, konnten erst zu Beginn der 50er-Jahre die Parzellen aufgeteilt und auf die jeweiligen Besitzer eingetragen werden.

Einwanderer-Denkmal
© Ruy Luis Machado

Zu erwähnen ist u.a. Stöckl Sepp, ein Pionier und Gärtner, der aus der Kitzbüheler Gegend stammte. Er brachte das Edelweiß, das blüht und gedeiht, in seine zweite Heimat. Zur Institution für die Tiroler Dreizehnlindens wurde der „Kandlerhof“, ein typisches Tiroler Gasthaus, wo Clotilde, welche leider im Frühjahr 2018 verstarb, die Gäste mit Knödeln, Schweinsbraten und anderen Tiroler Gerichten verwöhnte und an Sonntagvormittagen zur zweiten Heimat – wie man sagt – für die Männer beim Stammtisch wurde.

Tiroler in Dreizehnlinden in den 40er-Jahren
© privat

Das Dorf nahm einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. Neben der Landwirtschaft, der Milchwirtschaft (Tirol Milch wird bis nach Sao Paulo geliefert), der Schokoladenherstellung und dem Fremdenverkehr, wo zu Beginn der 90er-Jahre der Ort als beliebtester Touristenort Brasiliens in Brasilia gekürt wurde, wird die Holzschnitzkunst hochgehalten. Junge Holzschnitzer vervollständigen ihr Können in Elbigenalp in Tirol. Das große Holzkreuz in Brasilia stammt von einem Künstler aus Dreizehnlinden. Die Hotels des Ortes sind rustikal und elegant und für jeden Gäste-Geschmack und werden sehr gerne gebucht.

Pfarrkirche und Friedhof mit typischen Eisenkreuzen
© Ruy Luis Machado

Im Souvenierladen gibt es nur alpenländische Souveniers: Edelweiß-Schmuck, Dirndln für jeden Anlass, Lederhosen und Stutzen für stramme Männerwadeln, wie auch Trachtenkniestrümpfe und Tücher für die Landhausmode der Damen. Das Tiroler Brauchtum wird hochgehalten. Es gibt einige Chöre, die Konzerte veranstalten und Konzertreisen durchführen. Die Musikkapelle hat sehr viele Auftritte. Die Schuhplattler waren im August 2018 auf einer Tournee in Österreich, besichtigten u.a. Wien und hatten Auftritte in der Wildschönau mit Umzug, in Seefeld, Uderns, Mutters und zwei Auftritte in Vorarlberg. Hervorzuheben ist, dass einige jungen Plattler sich das Geld für diese Europa-Tour unter Leitung von Valter Felder mühsam zusammensparten.

Kulturzentrum Donna Leopoldina, gegründet 1969
© Ruy Luis Machado

Ein Höhepunkt war im Oktober 2018 das Fest zu 85 Jahre Dreizehnlinden mit Umzug und einer dreitägigen Feierlichkeit, wo auch eine Abordnung aus der Tiroler Wildschönau als Partnergemeinde dabei war.

Im Laufe der 1990er-Jahre erhielt Dreizehnlinden ein österreichisches Generalkonsulat, um den Bewohnern in Staatsbürgerschaftsangelegenheiten die weiten Wege nach Sao Paulo oder Rio zu ersparen. Minister Thaler hat seinerzeit mit der brasilianischen Regierung und in Wien ausgehandelt dass sowohl die österreichische, als auch die brasilianische Staatsbürgerschaft möglich ist. Dies ist eine große Erleichterung für die Bürger, welche es – auch aus beruflichen Gründen – wieder nach Österreich zieht. Aus der zweiten und dritten Generation zogen einige zurück nach Tirol und Vorarlberg und bauten sich Existenzen auf, ohne ihre erste Tiroler Heimat Dreizehnlinden zu vergessen. Viele Dreizehnlindner arbeiten bei den großen deutschen Konzernen wie Mercedes do Brasil oder VW  und haben sich in den großen brasilianischen Städten eine Existenz aufgebaut.

Gemeindeamt Dreizehnlinden
© Ruy Luis Machado

Die Amtssprache ist portugiesisch und von den jungen Dreizehnlindnern wird hauptsächlich diese Sprache gesprochen, zu Hause wird der Tiroler Dialekt gepflegt. Um auch die deutsche Schriftsprache zu lernen, wird auch Deutsch unterrichtet.

Nun möchten viele der Dreizehnlindner die Heimat ihrer Eltern und Großeltern sehen und ihre Wurzeln in Tirol, Vorarlberg oder Norditalien aufspüren. Diese Touren werden sehr sensibel und mit Rücksicht vom dortigen Reiseleiter Heino Felder vorbereitet, geplant und in kleineren Gruppen durchgeführt. Natürlich dürfen Wien, Venedig, Innsbruck, die Südtiroler Gemeinden, u.a. sowie – wenn es möglich ist – auch ein Treffen mit Verwandten in der Heimat ihrer Familie nicht fehlen. Auch so ein Highlight wird von Heino Felder hilfreich mitorganisiert. Das Heimatmuseum „Museo Munocipio Andreas Thaler“ wird von Frau Brigite Moser-Falchetti geleitet.

Frieda Kuchler

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