Österreichs Männer-Fußballnationalteam hat bei seiner Rückkehr auf die größte Weltbühne des Fußballs bei der Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA einen hart erkämpften Erfolg gefeiert. Die Mannschaft des 67-jährigen deutschen Teamchefs Ralf Rangnick besiegte den Außenseiter und WM-Debütanten Jordanien im kalifornischen Santa Clara mit 3:1 (1:0) im ersten von drei Gruppenspielen vor der K.O.-Endphase des Turniers. Es war ein geschichtsträchtiger Tag für das ÖFB-Team: Nach genau 28 Jahren oder 10.220 Tagen Abstinenz lief Österreichs Team wieder bei der WM auf und gewann dabei das erste Mal seit der Weltmeisterschaft 1990 (damals ein 2:1 gegen die USA) wieder ein WM-Spiel.

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Die Partie im imposanten Levi’s Stadium in der San-Francisco-Bay-Area vor 68.527 Zuschauern verlief jedoch deutlich mühevoller als im Vorfeld erwartet. Cheftrainer Rangnick überraschte zunächst bei der Aufstellung und brachte den LASK-Legionär Sasa Kalajdzic als Solospitze anstelle des 37-jährigen ÖFB-Routiniers Marko Arnautovic. Konrad Laimer agierte in Abwesenheit des verletzten Christoph Baumgartner als Spielmacher auf der Zehn, während Romano Schmid den rechten Flügel übernahm. Die ÖFB-Elf startete nervös und etwas ungenau in das Spiel, während die aggressiven und gut organisierten Jordanier die österreichischen Favoriten früh unter Druck setzten. Bereits nach anderthalb Minuten traf Jordaniens Kapitän Ihsan Haddad das Außennetz. In der 17. Minute musste ÖFB-Tormann Alexander Schlager dann mit einer Glanzparade gegen Odeh Al-Fakhouri das 0:1 verhindern.

Schließlich erlöste Romano Schmid die mitgereisten rot-weiß-roten Fans: Nach Zuspiel von Xaver Schlager zog der 26-Jährige von Werder Bremen ab und schlenzte den Ball aus rund 20 Metern wunderschön ins rechte Kreuzeck (21’). Schmid löste damit den nunmehrigen ORF-Experten und letzten ÖFB-WM-Torschützen Andreas Herzog ab und erzielte das erste österreichische WM-Tor seit der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich.

Die Freude währte jedoch nur kurz, denn Jordanien schlug unbeeindruckt zurück. Nur zwei Minuten später köpfte Ali Ulwan den Ball an die Latte. Österreich leistete sich im Spielaufbau zu viele Fehler und die Offensivbemühungen flachten komplett ab, wodurch auch Rangnicks Taktik mit Laimer als Spielmacher nicht aufging. Die Quittung folgte kurz nach dem Seitenwechsel: Nach einem Ballverlust von Schlager schalteten die Jordanier schnell um und Ali Ulwan vollendete in der 50. Minute unbedrängt zum verdienten 1:1-Ausgleich und erbrachte damit das erste WM-Tor in Jordaniens Geschichte.

Rangnick reagierte auf die fehlerhafte Phase mit einem Dreifachwechsel und brachte unter anderem Carney Chukwuemeka, Paul Wanner sowie den Rekordteamspieler Marko Arnautovic. Das brachte wieder Stabilität. In der 76. Minute profitierte Österreich schließlich vom Matchglück: Nach einer Aktion des im Zweikampf bedrängenden Arnautovic fälschte der jordanische Verteidiger Yazan Al-Arab den Ball unglücklich zum 2:1-Eigentor für Österreich ab. Ein vermeintlicher Treffer von Arnautovic wurde zuvor wegen eines Handspiels von Stefan Posch per Videobeweis noch aberkannt (67’). Den Schlusspunkt setzte Arnautovic in der extrem langen Nachspielzeit von 10 Minuten selbst, als er einen nach Handspiel und Videobeweis verhängten Elfmeter in der 90.+12. Minute sicher zum 3:1-Endstand verwandelte. Damit sichert sich Österreich die ersten drei wichtigen Punkte in der Gruppe J, in der Weltmeister Argentinien nach einem 3:0 gegen Algerien die Tabelle anführt.

„Perfekter Start“: Die Ankunft im kalifornischen WM-Quartier

Bereits mehr als eine Woche vor dem Auftaktsieg war die ÖFB-Auswahl nach einer offiziellen Verabschiedung durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen in den USA gelandet. Nach einem elfstündigen Flug nach Los Angeles und einer anschließenden 160 Kilometer langen Busfahrt bezog das Team ihr Basecamp in der 100.000-Einwohner-Stadt Santa Barbara, der „American Riviera“. Teamchef Ralf Rangnick, der wegen der Folgen einer Sprunggelenksverletzung weiterhin auf einen Roller angewiesen ist, zeigte sich rundum zufrieden: „Es hat alles klasse geklappt, alles pünktlich, bei der Einreise ging alles sehr flott. Es war alles perfekt bis jetzt“, bilanzierte er im ORF-Interview.

Als exklusive Unterkunft dient das Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton Bacara im Vorort Goleta direkt an der Pazifikküste. Österreich hatte bei der Quartierwahl Glück, da Australien die Option auf dieses Basecamp verstreichen ließ und der ÖFB somit zum Zug kam. Eine Vorausabteilung um WM-Projektmanager Lennart Coerdt hatte die Anlage akribisch vorbereitet. Kleinere logistische Hürden gab es dennoch am Zoll: ÖFB-Ernährungsexperte Martin Rinderer und Koch Fritz Grampelhuber berichteten, dass die Einfuhr von Topfen und Wacholderbeeren von den US-Behörden nicht genehmigt wurde. Trainiert wird auf dem Campus der University of California Santa Barbara (UCSB) im 17.000 Zuschauer fassenden Harder Stadium, das auch als „Soccer Heaven“ bekannt ist.

Kaufimpulse: Der Wiener Handel profitiert vom WM-Fieber

Nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich sorgt das WM-Abenteuer für Hochstimmung, insbesondere beim heimischen Handel. Da das Nationalteam nach 28 Jahren wieder bei einer Weltmeisterschaft vertreten ist, wird mit kräftigen Konsumimpulsen gerechnet. Die Wiener Handelsobfrau Margarete Gumprecht betont, dass sich große Sportereignisse erfahrungsgemäß positiv auf die Stimmung und Konsumlaune auswirken. Für den Wiener Handel wird ein ähnlicher Umsatz erwartet wie bei der letzten Europameisterschaft mit österreichischer Beteiligung, als rund 117 Millionen Euro umgesetzt wurden.

Besonders der Lebensmittelhandel profitiert massiv: Knabbereien, Bier, Softdrinks sowie Grillfleisch, Würstel und Saucen füllen kurzfristig die Einkaufswagen für gemeinsame Fußballabende. Da das Turnier im Sommer stattfindet, verzeichnen auch Gartenmöbel, Kühlboxen, Griller und Outdoor-Artikel traditionell Hochsaison. Ebenso melden der Sport- und Fanartikelhandel (insbesondere Trikots, Schals und Fahnen) sowie der Elektrofachhandel ein starkes Zusatzgeschäft.

Für das nächste Gruppenspiel gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien am 22. Juni sollte für die Österreicherinnen und Österreicher demnach alles gerichtet sein.

Quellen: Ein mühevoller WM-Auftakt nach Maß – derstandard.at | ÖFB-Team erzwingt wichtigen Auftaktsieg – sport.orf.at | Eigentor und Elfmeter retten Österreich beim WM-Auftakt – weltfussball.at | „Perfekter Start“ ins WM-Abenteuer – sport.orf.at | Handel profitiert von Fußball-WM – wien.orf.at

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