Österreich betritt Neuland im All: Mit dem Projekt BEACONSAT entwickelt das Bundesheer seinen ersten militärischen Satelliten und zugleich den bislang größten in Österreich gebauten Satelliten. Eine Demoversion wurde nun erstmals präsentiert. Der Satellit, der vom niederösterreichischen Startup Gate Space in Schwechat produziert wird, soll ab Februar 2027 ins All starten und zunächst ein Jahr lang Störsignale globaler Navigationssysteme wie GPS oder Galileo erkennen und analysieren. Ziel ist es, Angriffe auf Navigationssignale aus dem All sichtbar zu machen und wichtige Daten für die Landesverteidigung zu liefern.

Konkret soll BEACONSAT sogenannte „Jamming“- und „Spoofing“-Angriffe erfassen. Beim Jamming werden Navigationssignale überlagert oder blockiert, beim Spoofing werden falsche Positionsdaten eingespeist, sodass Empfänger eine manipulierte Position berechnen. Solche Eingriffe können militärische Operationen, aber auch zivile Bereiche wie Luftfahrt, Transport, Energieversorgung oder Rettungsdienste in Zeiten von Krisen oder Konflikten erheblich beeinträchtigen. Ziel des Projekts ist es daher, erstmals systematisch zu erfassen, wann und wo Navigationssignale gestört werden. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner erhofft sich dadurch mehr Sicherheit und größere Datenhoheit für Österreich.
„Es ist wichtig, dass wir im Bedarfsfall in der Kommunikation und Navigation eigenständig agieren können. Das ist eine Frage der Resilienz und der militärischen Fähigkeiten. Der Weltraum ist ein wesentlicher Teil der militärischen Handlungsfähigkeit,“ sagt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.

Seit Oktober 2025 arbeitet der Satellitenhersteller GATE Space – ein Spin-off der Technischen Universität Wien mit Standorten in Niederösterreich, Wien und San Francisco – gemeinsam mit zwei zentralen Partnern, der dänischen Firma Space Inventor und dem Grazer Entwickler IGASPIN, sowie weiteren überwiegend österreichischen Unternehmen an der Fertigstellung des Satelliten. Dieser wiegt rund 32 Kilogramm und misst etwa 45 Zentimeter in der Höhe sowie jeweils 30 Zentimeter in Länge und Breite. Trotz seiner vergleichsweise kompakten Bauweise gilt er als der größte bislang in Österreich entwickelte Satellit. Das Verteidigungsministerium stellt für das Projekt rund eine Million Euro bereit, weitere 500.000 Euro kommen von der Europäischen Weltraumorganisation ESA.
Der Start ist für Februar 2027 von der SpaceX-Basis Vandenberg in Kalifornien geplant. Eine Falcon-9-Rakete soll BEACONSAT in eine niedrige Erdumlaufbahn, auch Low Earth Orbit, LEO genannt, bringen, wo er in etwa 500 bis 2.000 Kilometern Höhe zunächst ein Jahr lang Daten über Störmanöver sammeln wird. Technisch wäre auch eine deutlich längere Missionsdauer von bis zu fünf Jahren möglich. Die letztendlichen Kosten sind von der Betriebszeit abhängig und können daher noch nicht definitiv genannt werden.
Für Verteidigungsministerin Klaudia Tanner steht hinter dem Projekt vor allem ein strategisches Ziel: mehr Sicherheit und größere Unabhängigkeit bei weltraumgestützten Daten. Eigene Satelliten sollen es Österreich ermöglichen, Informationen selbst zu sammeln und auszuwerten und so die Abhängigkeit von anderen Staaten zu reduzieren. Gleichzeitig gehe es auch um den Schutz von Soldatinnen und Soldaten, die bei Einsätzen stark auf satellitengestützte Navigation angewiesen sind.
BEACONSAT ist Teil einer breiteren österreichischen Weltraumstrategie. Neben diesem rein nationalen Projekt arbeitet das Bundesheer auch am österreichisch-niederländischen Programm LEO2VLEO, bei dem mehrere kleine Satelliten in sehr niedrigen Erdorbits betrieben werden sollen. Die Starts sind ebenfalls für 2027 geplant und sollen Österreich zusätzliche Fähigkeiten bei Aufklärung und Weltraumbeobachtung verschaffen.
Mit diesen Projekten will Österreichs Bundesheer langfristig stärker im Orbit präsent sein und eigene Kompetenzen in Bereichen wie Navigation, Kommunikation und Satellitenaufklärung aufbauen. Dazu soll im Verteidigungsministerium auch eine eigene Organisationseinheit für Weltraumservices entstehen. BEACONSAT gilt dabei als erster vollends österreichischer Schritt.
(bei Gate Space (gate.space) um Erlaubnis für Bilder anfragen)
Quellen: https://noe.orf.at/stories/3344013/ | https://militaeraktuell.at/satelliten-bundesheer-weg-transparenter-globus/ | https://www.noen.at/schwechat/oesterreichs-erster-militaerischer-satellit-praesentiert-512680302 | https://www.bmimi.gv.at/service/presse/hanke/2026/0302_militaerischer-satellit.html | https://orf.at/stories/3421931/ | https://www.vol.at/oesterreichs-erster-militaerischer-satellit-praesentiert/10021376 | https://brutkasten.com/artikel/gate-space-baut-oesterreichs-groessten-satelliten-gegen-gps-stoerungen | https://www.derstandard.at/story/3000000310448/oesterreich-ruestet-im-weltraum-militaerisch-auf | https://austria-in-space.at/de/news/2026/20260302-oesterreichs-erster-militaerischer-satellit-beaconsat.php

