««Der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im ersten Quartal stellt eine noch nie dagewesene globale Herausforderung dar», Roche habe sich aber gut behaupten können, erklärte der Roche-Chef am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. (Keystone)

22.04.2020    09:52   sda

Dr. Severin Schwan, Auslandsösterreicher 2018

Der Pharmakonzern Roche beweist in der Corona-Krise seine Abwehrkräfte. Das Unternehmen gibt zudem Gas im Medikamenten-Bereich.

«Der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im ersten Quartal stellt eine noch nie dagewesene globale Herausforderung dar, ganz besonders für die Gesundheitssysteme weltweit», schilderte Roche-Chef Severin Schwan am Mittwoch die Situation.

Roche habe sich bislang gut behaupten können. Die globale Lieferkette für Medikamente und Diagnostika ist dem Unternehmen zufolge intakt. Gleichzeitig wittern die Basler im Zuge der Bekämpfung der Lungenkrankheit neue Geschäftsmöglichkeiten.

Antikörper-Test ab Mai

Bereits Anfang Mai etwa will Roche mit einem zuverlässig funktionierenden Antikörper-Test an den Start gehen. Mit diesem kann untersucht werden, ob jemand bereits eine Infektion durchgemacht und Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Die Tests sind somit ein wichtiger Faktor, um die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie zurückfahren zu können.

«Die Betonung liegt auf zuverlässig», erklärte Schwan. Denn die bereits auf dem Markt erhältlichen Antikörper-Tests – oft von chinesischen Anbietern – seien in der Regel ganz einfach schlecht. «Da kann man gerade so gut eine Münze werfen», sagte Schwan.

Danach soll es Schlag auf Schlag gehen: Bereits ab Juni will Roche monatlich eine hohe zweistellige Millionenzahl bereitstellen. Und weil auch Mitbewerber an eigenen Tests arbeiten würden, geht Schwan davon aus, dass es in wenigen Monaten möglich sein wird, die breite Bevölkerung durchzutesten.

Keine Impfung vor Ende 2021

Damit könnte ein Antikörper-Bluttest schon viel früher als eine Impfung ermöglichen, dass sich ein Teil der Bevölkerung wieder frei bewegen kann. Schwan jedenfalls glaubt nicht an die baldige Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffs.

«Ich persönlich finde den geplanten Zeitrahmen von 12 bis 18 Monaten angesichts der Herausforderungen ehrgeizig», sagte der Roche-Chef. Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass vor Ende 2021 kein Impfstoff verfügbar sei.

Patienten meiden Arztbesuch

Mit den Antikörper-Tests hofft Roche gleichzeitig, die Auswirkungen der Pandemie auf den regulären Geschäftsgang auszugleichen – zumindest teilweise. Denn während eines «Lockdown» wollen oder dürfen viele Patienten nicht zu ihrem Arzt oder ins Krankenhaus gehen.

Aus Angst, sich anzustecken, verschieben Patienten mit chronischen Krankheiten ihre Arzttermine oder sagen sie gar ganz ab. Damit fielen Behandlungen aus – auch die mit Roche-Mitteln. Gleichzeitig werden keine neuen Diagnosen gestellt und Behandlungen verschrieben.

Im Gegenzug profitierte Roche zuletzt von einer steigenden Nachfrage nach seinem Mittel Actemra. Bislang wird das Mittel vor allem bei Arthritis angewendet, hat sich aber auch als hilfreich bei der Behandlung einer schweren Covid-19-bedingten Lungenentzündung erwiesen.

Terrain verteidigt

Insgesamt steigerte Roche den Umsatz im ersten Quartal 2020 um zwei Prozent auf 15,1 Milliarden Franken. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 7 Prozent. Der Verkauf neuer Produkte konnte dabei den Konkurrenzdruck durch sogenannte Biosimilars, also Nachahmer-Medikamente biopharmazeutischer Arzneimittel, ausgleichen. Gewinnzahlen legt Roche nur zum Halbjahr und am Jahresende vor.

Eine solche Entwicklung sei auch für den Rest des Jahres zu erwarten, erklärte das Unternehmen und stellte seinen Aktionären gleichzeitig eine höhere Dividende in Aussicht.

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