Der 70. Eurovision Song Contest in Wien endete mit einem historischen Sieg für Bulgarien: Die Sängerin Dara gewann mit dem Titel Bangaranga und erhielt insgesamt 516 Punkte von Publikum und Fachjurys. Damit holte Bulgarien erstmals den Sieg beim ESC und wird 2027 den 71. Eurovision Song Contest austragen. Die Stadt Wien ging über die bloße Austragung des ESC hinaus und entwickelte ein umfassendes städtisches Erlebnis. Über die gesamte ESC-Woche hinweg entwickelte sich die Stadt zu einer internationalen Bühne für Musik und Begegnung und bot damit das weltweit größte gemeinsame ESC-Erlebnis abseits der großen Bühne.

Hinter Bulgarien belegte Israel mit der Ballade Michelle von Noam Bettan den zweiten Platz, Rumänien erreichte mit Choke Me von Alexandra Căpitănescu Rang drei. Österreich als Gastgeberland schnitt hingegen leider schwach ab: Cosmó und Tanzschein landeten auf dem vorletzten Platz vor Großbritannien.
Für die Bulgarin Dara, die mit bürgerlichem Namen Darina Nikolaewa Jotowa heißt, überzeugte mit Bangaranga – einem Song an dem unter anderem Eurovision-Erfolgskomponist Dimitris Kontopoulos beteiligt war und der die bulgarische Kukeri-Tradition aufgreift. Dabei ziehen Menschen mit Tiermasken und Lärm durch die Straßen, um böse Geister zu vertreiben. Die Bühneninszenierung übernahm der schwedische Choreograf Fredrik Rydman. Dara wurde am 9. September 1998 in Warna geboren, lernte bulgarischen Folkloregesang an der Kunstschule Dobri Hristow und wird bis heute von ihrer Mutter künstlerisch unterstützt, die ihre Bühnenoutfits näht.

Der ESC 2026 war auch für den ORF ein Erfolg. Die Übertragung aus der Wiener Stadthalle erreichte durchgehend rund 1,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, der stärkste Abschnitt der Show verzeichnete gegen 22 Uhr fast 1,6 Millionen Sehende und einen Marktanteil von etwa 55 Prozent. Selbst das späte Voting sahen noch rund 1,45 Millionen Menschen, wobei der Marktanteil auf knapp 80 Prozent stieg. Besonders stark war die Reichweite in jungen Zielgruppen, zusätzlich verfolgten rund 100.000 Personen den Wettbewerb per Livestream.
Mit dem Ende des Finales verabschiedete sich Wien zugleich vom ESC-Trubel: Eine Woche lang stand die Stadt unter dem Motto United by Music ganz im Zeichen des Wettbewerbs. Direkt nach ihrem Sieg umschlang der sichtlich emotionale österreichische Vorjahressieger JJ die bulgarische Gewinnerin Dara und überreichte ihr offiziell die ESC-Trophäe mit den Worten: „Ich liebe dich so! Ich gratuliere dir, Mädchen – sie gehört dir!”

Essen, Feiern, ESC: Gastronomie in Wien setzte auf Song-Contest-Stimmung
Der Eurovision Song Contest (ESC) verwandelte Wien Mitte Mai in ein internationales Zentrum für Musik-Fans und Kulinarik-Liebhaber. Unter dem Motto, Wiens gastronomische Vielfalt mit der Kultur der ESC-Gastländer zu vereinen, haben Wiener Gastronominnen und Gastronomen ein dichtes Programm entwickelt, das weit über die Stadthalle als Austragungsort des Song-Contest hinausreichte.
Ein zentrales Highlight war die Initiative der Wiener Kaffeesieder gemeinsam mit dem ORF und dem Echo Medienhaus: 21 traditionsreiche Kaffeehäuser verwandelten sich in „Eurofan Cafés“. Jedes dieser Lokale übernahm die Patenschaft für ein oder zwei der insgesamt 35 Teilnehmernationen des ESC 2026. Fans konnten dort landestypische Speisen und Getränke genießen, ESC-Künstlerinnen und Künstler bei Meet & Greets treffen oder an einer digitalen Schnitzeljagd teilnehmen. Begleitet wurden die Gäste dabei vom diesjährigen Maskottchen „Auri“. Auch die Betriebe der Familie Querfeld (darunter das Café Landtmann, Mozart und Museum) setzten auf ESC-Nächte mit After-Work-Partys, Quizabenden und speziellen kulinarischen ESC-Specials.

Kontroverse um Israels ESC-Teilnahme
Im Vorfeld des heurigen Song Contests gab es eine kontroverse Debatte über die Teilnahme Israels und dadurch begründete Boykott-Aktionen einzelner Länder. Grund dafür war die kritische Haltung vieler nationaler EBU (European Broadcasting Union)-Mitglieder gegenüber Israels militärischer Gewalt in Gaza als Reaktion auf den Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Fünf traditionelle Song-Contest-Teilnehmerländer, Spanien, die Niederlande, Irland, Island und Slovenien hatten ihren eigenen Rückzug angekündigt und waren heuer in der Wiener Stadthalle nicht dabei.
Der irische Rundfunksender RTÉ teilte mit, man sei „der Ansicht, dass Irlands Teilnahme angesichts des andauernden und entsetzlichen Verlusts von Menschenleben in Gaza nicht vertretbar wäre. RTÉ ist außerdem zutiefst besorgt über die gezielte Tötung von Journalistinnen und Journalisten in Gaza, die Verweigerung des Zugangs für internationale Medien in das Gebiet sowie über das Schicksal der verbleibenden Geiseln.“
Das niederländische Pendant, der Sender AVROTROS, befand, man könne „Israels Teilnahme unter den derzeitigen Umständen angesichts des anhaltenden und schweren menschlichen Leids in Gaza nicht länger rechtfertigen.“ Der Sender äußerte zudem „große Besorgnis über die massive Einschränkung der Pressefreiheit: den bewussten Ausschluss unabhängiger internationaler Berichterstattung und die hohe Zahl getöteter Journalistinnen und Journalisten.“
Quellen: „Eurofan Cafés“: 21 Wiener Kaffeehäuser übernehmen Patenschaft für ESC-Länder – Wien | ESC im Kaffeehaus: Wo Finnland, Israel und Griechenland gastieren | Kurier | Essen, Feiern, ESC: Wo Foodies während des Song Contests in Wien auf ihre Kosten kommen – Falstaff | Auch Israel hat nun „Eurofan Cafe“ in Wien – wien.ORF.at | Eurovision Song Contest: Wiens Eurofan Cafés – FALTER | Wien: „Eurofan Café“: Wiens Kaffeehäuser als Paten der ESC-Länder | AVROTROS over deelname Songfestival | AVROTROS | Ireland won’t contest Eurovision if Israel takes part | ESC in Wien: Mehr als 1,5 Millionen im ORF dabei – derstandard.at | Bulgarien hat den Eurovision Song Contest 2026 gewonnen – meinbezirk.at | Mit „Bangaranga“ zum Sieg: Wer ist Dara, Bulgariens erste Gewinnerin des Song Contest? – derstandard.at
