Das Europa-Forum Wachau begeht 2026 sein 30-jähriges Bestehen und stellt die Jubiläumsausgabe unter das Motto „The Next 30“. Statt einer Rückschau richtet das Forum den Blick bewusst nach vorne und fragt, welche Antworten Österreich und Europa auf die geopolitische Zeitenwende finden müssen. Im Zentrum stehen Fragen nach europäischer Souveränität, Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Europas Rolle in einer zunehmend fragilen und multipolaren Weltordnung. Seit seiner Gründung im Jahr 1995 anlässlich des österreichischen EU-Beitritts hat sich das Europa-Forum Wachau zu einer der wichtigsten europapolitischen Dialogplattformen im deutschsprachigen Raum entwickelt.

Über drei Jahrzehnte hinweg wurde das Forum zu einem Ort des Austauschs zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Diplomatie sowie zu einem Brückenbauer zwischen Ost- und Westeuropa. Nach Angaben der Veranstalter waren bisher mehr als 30 Staats- und Regierungschefs, über 50 Außen- und Europaministerinnen und -minister, zahlreiche EU-Kommissarinnen und EU-Kommissare sowie insgesamt mehr als 13.000 Gäste Teil des Forums. Historisch prägten mehrere Begegnungen die Entwicklung des Europa-Forums. Bereits bei der ersten Ausgabe 1995 war Luxemburgs damaliger Premierminister und späterer EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Ehrengast. 2003 entschuldigte sich der tschechische Premierminister Vladimir Spidla im Zusammenhang mit der Debatte um die Benes-Dekrete ausdrücklich bei Österreich für die Vertreibung der Sudetendeutschen im Jahr 1945. 2013 kam es in Göttweig zum Handschlag zwischen Serbiens Premierminister Ivica Dacic und Kosovos Regierungschef Hashim Thaci.
Die Jubiläumsausgabe findet vom 18. bis 22. Mai 2026 rund um Krems, Grafenegg und das Stift Göttweig statt und erweitert das bisherige Konzept deutlich. Erstmals gliedert sich das Programm in vier thematische Tage – Technology Day, Economy Day, Politics Day und Global Day – und verdoppelt zugleich die Zahl der inhaltlichen Sessions. Bereits am Vorabend eröffnet der Niederösterreichische Europatag in Grafenegg die Veranstaltung mit einem Festakt. Inhaltlich reagiert das Forum heuer eindeutig auf die geopolitische Lage in Europa. Die zentrale Ausgangsfrage lautet, wie Europa seine Wettbewerbsfähigkeit steigern und zugleich seine Verteidigungsfähigkeit stärken kann. Der Tenor lautet: geopolitische Umbrüche haben Österreich und Europa gezwungen, klarere Antworten auf mutigere Fragen zu geben.

Dichtes Programm, große Fragen: Technologie, Ökonomie, Politik und Globales
Der Auftakt erfolgt am Campus Krems mit dem Technology Day, der sich den technologischen und sicherheitspolitischen Grundlagen widmet. Diskutiert werden etwa der Aufbau einer wehrhaften europäischen Sicherheitsarchitektur, die Verteidigung vor hybriden Bedrohungen, europäische Rüstungspolitik, aber auch Fragen der pharmazeutischen Unabhängigkeit oder die Widerstandsfähigkeit von Gesundheitssystemen. Im verteidigungspolitischen Zusammenhang beraten vor allem die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner sowie ihre Amtskollegen aus Griechenland und Moldau, Nikolaos Dendias und Anatolie Nosatii. Auch anerkannte Fachleute wie der ehemalige NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, Politikwissenschaftler Carlo Masala, Militäranalytiker und Oberst des Bundesheeres Markus Reisner, Rüstungsdirektor Harald Vodosek oder Bundespolizeidirektor Michael Takàcs bringen ihre Perspektiven ein.
Am Economy Day verlagert sich der Schwerpunkt auf wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Themen sind fiskalpolitische Verantwortung, digitale Transformation und die Erschließung neuer Wachstumsmärkte. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer wird gemeinsam mit dem Außenhandelsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, über globale Partnerschaften sprechen. Ebenso werden Fragen rund um Innovation, Start-Ups und den Wiederaufbau der Ukraine behandelt. Unterstützt wird dieser wirtschaftliche Schwerpunkt passend durch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft. Dazu zählen unter anderem REWE-International-Vorstand Marcel Haraszti, ÖBAG-Vorständin Edith Hlawati, IV-Niederösterreich-Präsident Kari Ochsner, BAWAG-CEO Enver Siručić, APG-Chef Gerhard Christiner und Siemens-Österreich-CEO Patricia Neumann.
Vor der Kulisse des Stiftes Göttweig steht am Politics Day die politische Handlungsfähigkeit Europas im Mittelpunkt. Diskutiert werden neue Allianzen, regionale Kooperationen und Migrationspolitik. Europaministerin Claudia Bauer spricht mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Slowakei, Tschechien und mit dem ukrainischen Vizepremier Taras Kachka über Europas Handlungsfähigkeit. Migration und Sicherheit bilden einen weiteren Schwerpunkt. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner, Innenminister Gerhard Karner, der albanische Vertreter Besfort Lamallari sowie Migrationsexperte Gerald Knaus befassen sich mit Fragen eines zukunftsfähigen Migrationsmanagements und der regionalen Stabilität.
Frischer europäischer Wind: Ungarns Premierminister Péter Magyar
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Besuch des neu angelobten ungarischen Premierministers Péter Magyar. Sein Auftritt soll die Beziehungen zwischen Österreich, Niederösterreich und Ungarn unterstreichen. Zudem wird Magyar eine Rede an Europa halten. Es wird erwartet, dass er nach der 16-jährigen Amtszeit von Viktor Orban die Rückkehr Ungarns in die europäische Gemeinschaft skizziert und sich zur Frage des Umgangs Europas mit Russland äußert. Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bezeichnete den Besuch als „starkes Signal“ für eine erneuerte Partnerschaft. Sie verwies auf die verbindende Rolle der Donau zwischen Österreich und Ungarn und hob auch die historisch gewachsenen Beziehungen zwischen Niederösterreich und Ungarn im Speziellen hervor. Die beiden Regionen seien wirtschaftlich und menschlich eng verflochten. Ungarn sei nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt Niederösterreichs mit einem jährlichen Handelsvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro. Ein wirtschaftlich stabiles Ungarn liege daher im unmittelbaren Interesse des Standorts Niederösterreich. Auch Bundeskanzler Christian Stocker sieht im gemeinsamen Besuch mit Péter Magyar ein Symbol europäischer Zusammenarbeit. Ziel sei auch für ihn eine engere und vertrauensvollere Zusammenarbeit für ein sicheres, wettbewerbsfähiges und geeintes Europa.
Den Abschluss des Europa-Forum Wachau bildet der Global Day, an dem Europas außenpolitische Positionierung im Spannungsfeld zwischen den USA und China im Mittelpunkt steht. Das Forum beschäftigt sich dabei mit der Neujustierung des österreichischen und europäischen außenpolitischen Kompasses in einer multipolaren Sicherheitsordnung. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger diskutiert gemeinsam mit Bruneis zweitem Außenminister Erywan Yusof internationale Entwicklungen und globale Zusammenarbeit. Bundeskanzler Stocker spricht über Österreichs Rolle in einer fragilen Weltordnung und nimmt gemeinsam mit Ex-NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen an einer Diskussion über Europas strategische Ausrichtung teil. Rasmussen bringt dabei die Perspektive internationaler Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein. Er hatte zuletzt, wenn auch in Österreich kontrovers, erklärt, in einem existenziellen Konflikt zwischen Demokratie und Autokratie sei Neutralität nicht möglich. Zudem sprach er sich für neue europäische Verteidigungsstrukturen unter Einbindung der Ukraine sowie für stärkere Zusammenschlüsse demokratischer Staaten weltweit aus.
Neben den Fachveranstaltungen setzt das Forum weiterhin auf Begegnung und Austausch. In neuen Netzwerk-Salons treffen politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf Führungskräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft. Erhalten bleibt auch die traditionelle Schifffahrt durch die Wachau an Bord der MS Dürnstein, die als Herzstück des Netzwerkprogramms gilt.
Quellen: Europa-Forum Wachau 2026 – Europa-Forum Wachau | Europa-Forum Wachau: 30 Jahre Dialog, Ungarns Premier kommt in die schöne Wachau – Niederösterreich | Péter Magyar als Gast – Ungarns Premierminister kommt zum Europa-Forum | krone.at | 18. bis 22. Mai: Europa-Forum Wachau – DiePresse.com | Europa-Forum: Große Pläne für Jubiläum – noe.orf.at | 30 Jahre Dialog, Ungarns Premier kommt in die schöne Wachau – meinbezirk.at | Peter Magyar kommt zum Europa-Forum Wachau – noe.gv.at | Europa-Forum Wachau 2026: „The Next 30“ – ots.at
