Das Zusammentreffen von Wanderinnen und Wanderern mit Weidevieh führt auf den heimischen Bergen immer wieder zu folgenschweren Unfällen. Zwischen den Jahren 2005 und 2026 registrierte die Statistik der Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit (ÖKAS) insgesamt sechs tödliche Vorfälle mit Rindern, wobei in fünf dieser Fälle ein Hund involviert war. Berichte über Vorfälle wie in der Obersteiermark, wo eine Wanderin trotz angeleinter Führung ihres Hundes von einer rund 30-köpfigen Kuhherde überrannt wurde, oder in Kärnten, wo ein Tier über einen Zaun sprang und drei Personen verletzte, verdeutlichen das immanente Risiko. Da sich Mutterkühe von Natur aus schützend vor ihre Kälber stellen, reagieren sie besonders sensibel auf Hunde, die fälschlicherweise als Bedrohung wahrgenommen werden, was die Tiere aufscheucht und schwere Abwehrreaktionen auslöst. Ein wissenschaftlich begleitetes Projekt soll jetzt Klarheit schaffen.

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Das Zusammentreffen von Wanderinnen und Wanderern mit Weidevieh führt auf den heimischen Bergen immer wieder zu folgenschweren Unfällen. Zwischen den Jahren 2005 und 2026 registrierte die Statistik der Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit (ÖKAS) insgesamt sechs tödliche Vorfälle mit Rindern, wobei in fünf dieser Fälle ein Hund involviert war. Berichte über Vorfälle wie in der Obersteiermark bei Schladming, wo eine Wanderin trotz angeleinter Führung ihres Hundes von einer rund 30-köpfigen Kuhherde überrannt wurde, oder in Kärnten, wo ein Tier über einen Zaun sprang und drei Personen verletzte, verdeutlichen das immanente Risiko. Da sich Mutterkühe von Natur aus schützend vor ihre Kälber stellen, reagieren sie besonders sensibel auf Hunde, die fälschlicherweise als Bedrohung wahrgenommen werden, was die Tiere aufscheucht und schwere Abwehrreaktionen auslöst.

Wissenschaftliches Pilotprojekt in der Ramsau

Um den zunehmenden regionalen Nutzungskonflikten konstruktiv zu begegnen und Almen nachfolgend sicherer zu machen, wurde in Ramsau am Dachstein ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt gestartet. Nachdem sich direkt vor der Austriahütte ein tödlicher Angriff ereignete, bei dem ein Ehemann seinen schweren Verletzungen erlag, initiierte Fritz Macher, Bergretter und erster Vorsitzender des Alpenvereins Austria, diesen runden Tisch. Das Projekt setzt darauf alle Beteiligten von den Almbauern über den Tourismus bis hin zu Amtstierärzten zusammenzubringen, um das gegenseitige Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ein Geographie-Student der Universität Innsbruck erfasst dafür via Geodaten sensible Hotspots und Engpässe auf den Almen. Geplant sind „intelligente“ Wegschilder und Smartphone-Apps, die tagesaktuelle Positionen der Mutterkühe drahtlos an Wanderer übermitteln. Neben technischen Innovationen und einer Informationskampagne stehen auch Maßnahmen für sogenannte „Risikotiere“ im Raum, die sich charakterlich absolut nicht für die Alpung eignen und demnach von den Landwirten gar nicht erst aufgetrieben werden sollten.

Wanderer-Aufklärung als Präventivmaßnahme

Neben strukturellen Anpassungen auf den Almen spielt die umfassende Information der Sommerfrischler eine entscheidende Rolle für ein sicheres Miteinander. In der Region Ramsau wird daher eine gezielte Informationskampagne über Beherbergungsbetriebe sowie den Tourismusverband ausgerollt, während der Alpenverein Austria bereits an einer österreichweiten Strategie arbeitet. Das Ziel ist es, den Gästen das richtige Verhalten auf den Weiden, wie das Einhalten von ausreichend Abstand und erhöhte Vorsicht zu vermitteln, bevor starre Bürokratie oder formale Kontrollorgane greifen müssen. Dies ist für den heimischen Tourismus von enormer Bedeutung, da der Urlaub in Österreich angesichts des Klimawandels als hitzefreie „Coolcation“ an Attraktivität gewinnt und Almen mitsamt ihren Kühen weiterhin das zentrale Werbemotiv bilden.

Um das Risiko für Menschen zu minimieren, werden strikte Verhaltensregeln empfohlen. Wanderer sollten generell eine große Distanz zu den Tieren halten, sie keinesfalls füttern und im Fall einer versperrten Passage einen Umweg in Kauf nehmen. Besondere Vorsicht gilt bei Mutterkühen, die einen ausgeprägten Instinkt zum Schutz ihrer Kälber besitzen. Führen Wanderer Hunde mit sich, sollten diese zwar grundsätzlich an der kurzen Leine gehalten, bei einem direkten Angriff des Weideviehs jedoch sofort freigelassen werden, um die Gefahr vom Halter abzulenken. Zudem gilt es, Ruhe zu bewahren, hektische Bewegungen zu vermeiden und bei Unruhezeichen der Herde die Weide langsam zu verlassen, ohne den Tieren den Rücken zuzukehren. Extreme Unvernunft, wie Familienselfies auf dem Rücken liegender Kühe oder Mountainbiker, die über die Tiere springen, verschärfen die Situation zusätzlich.

Quellen: Was Almen sicherer macht – science.orf.at | Zwei Kuhangriffe, vier Verletzte – derstandard.at

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