Der seit 28. Februar andauernde Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran zieht auch kurz- bis langfristige Konsequenzen für die österreichische Wirtschaft mit sich. Die darauffolgende Destabilisierung in der Golfregion hat die geopolitische Lage deutlich verschärft und sorgt auch in Österreich für wirtschaftliche Unsicherheit. Besonders betroffen sind Unternehmen durch steigende Energiepreise sowie schwer kalkulierbare Geschäftsbedingungen. Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich beklagen zudem steigende Preise, vor allem bei Treibstoff. Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen mit dem Ziel der Preisdämpfung beschlossen.

Österreichische Betriebe stehen dabei vor mehrfachen Herausforderungen: Einerseits bestehen Risiken für bestehende Geschäftsbeziehungen in der Region, auch wenn diese an der Zahl vergleichsweise gering ausfallen, andererseits wirken sich globale Marktverwerfungen vor allem indirekt auf die österreichische Wirtschaft aus. Der iranische Markt war für österreichische Unternehmen aufgrund von Sanktionen und wirtschaftlicher Instabilität ohnehin bereits schwierig.
Gleichzeitig galt bis vor kurzem der gesamte Nahe Osten als wachsender Exportmarkt für Österreich – mit Exporten im Wert von rund 2,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund 7,5% binnen zehn Jahren. Vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zählen zu den wichtigsten Absatzmärkten. Eine länger anhaltende Eskalation könnte diese Entwicklung deutlich bremsen. Auch gesamtwirtschaftlich drohen Rückschläge. Laut Prognosen könnte der Konflikt die wirtschaftliche Erholung nach den Krisenjahren mit Pandemie und Ukraine-Krieg abbremsen. Aufgrund des Iran-Konflikts berichten Unternehmen bereits von konkreten Auswirkungen entlang der Lieferketten durch steigende Kosten, Unsicherheit bei Transporten und schwer planbare Preise, die österreichische Gewerbetreibende zunehmend belasten. Lieferkettenunterbrechungen setzen dabei vor allem energieintensiven Branchen wie Stahl, Chemie und Düngemittel massiv unter Druck.
Laut dem Standard gab es bei Österreichs Gasversorgung in letzter Zeit eine deutliche Umstruktierung. Während Russland jahrzehntelang der wichtigste Lieferant war, hat inzwischen Norwegen diese Rolle übernommen. Die zuvor teils bis zu 90 Prozent betragende Abhängigkeit von russischem Gas ist historisch gewachsen: Bereits 1968 schloss Österreich als erstes Land westlich des Eisernen Vorhangs einen Vertrag mit der damaligen Sowjetunion über Erdgaslieferungen über Pipelines durch die Ukraine und die Slowakei bis nach Wien ab. Die Liefermengen wurden über die Jahre stetig erhöht – bis zum russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022, der als Wendepunkt hin zu mehr Diversifizierung gilt. Ende 2024 stellte Russland im Zuge eines Rechtsstreits mit der OMV schließlich die Lieferungen ein.
Im vergangenen Winter stammten demnach rund 40 bis 50 Prozent des benötigten Gases aus inländischen Speichern. Knapp ein Drittel wurde über Deutschland importiert, wobei es sich größtenteils um Pipelinegas aus Norwegen handelte, ergänzt durch kleinere Mengen an Flüssiggas (LNG), vor allem aus den USA. Etwa zehn Prozent kamen über Italien ins Land, darunter größere Anteile aus Algerien sowie LNG aus anderen kleineren Märkten. Die heimische Förderung – insbesondere in Niederösterreich – deckt rund acht Prozent des jährlichen Erdgasbedarfs von etwa acht Terawattstunden.
Laut dem steirischen Öl-, Gas- und Strom-Experten Karl Rose, sollte sich der Strompreis im Jahr 2026 eher nicht stark ändern. „Die Energie Steiermark hat zum Beispiel für das Jahr 2026 schon alle Strommengen, die sie braucht, an den Börsen zu fixen Preisen eingekauft. Das heißt, hier ist für 2026 kein Preisanstieg zu erwarten.“ Es bleibt jedoch abzuwarten, was in den Folgejahren passiert. Die Entwicklung des Strompreises ist also langfristig an die Dauer des Iran-Konflikts gebunden.
Teuerung steigt wieder
Nicht zuletzt entwickelt sich auch die Inflation erneut zu einem zentralen volkswirtschaftlichen Problem. Der Iran-Konflikt hat unmittelbar zu steigenden Öl- und Gaspreisen geführt, das über erhöhte Liefer- und Produktionskosten die Teuerung in Österreich wieder anheizt. Die Auswirkungen gehen damit weit über Energie hinaus: Auch Lebensmittel werden teurer. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Inflation durch den Konflikt um zusätzliche 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen könnte. Zurzeit liegt sie im Jahresdurchschnitt bei ca. 3,7 % und ist damit höher als im Vorjahr.
Sollten die Energiepreise länger hoch bleiben, könnte die Inflation sogar um bis zu einen Prozentpunkt steigen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum dämpfen. Bereits Anfang März zeigten sich deutliche Preisbewegungen: Ölpreise stiegen um rund 10 bis 16 Prozent, Gaspreise legten um etwa 20 Prozent zu. Die Sorge in der Bevölkerung ist entsprechend groß: Eine Mehrheit der Österreicher rechnet mit weiter steigender Inflation.
Preisanstieg an Österreichs Zapfsäulen
Besonders sichtbar ist die steigende Inflationsentwicklung bei den Treibstoffpreisen. Durch die geopolitischen Spannungen und die Unsicherheit rund um wichtige Transportwege wie die Straße von Hormus steigen die Preise für Rohöl – und damit auch für Benzin und Diesel. Da rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls durch diese Route transportiert werden, haben Störungen dort unmittelbare globale Auswirkungen.
Die steigenden Energiepreise schlagen direkt auf die Zapfsäulen durch. Das führt zu höheren Treibstoffpreisen, dies wiederum erhöht Transportkosten und schließlich sind es die Kosten gesamter Lieferketten, die sich verteuern und deren Tilgung auf Konsumentinnen und Konsumenten durch erhöhte Endverbraucherpreise ausgelagert wird. Tanken ist in Österreich zurzeit also zunehmend teuer, was sowohl private Haushalte als auch heimische Unternehmen belastet.
AK & WKO und Nationalbank über die jüngsten Entwicklungen
Angesichts der steigenden Kosten wächst der Druck auf die Politik. Besonders die Transportwirtschaft fordert rasche Gegenmaßnahmen, um die stark gestiegenen Treibstoffpreise abzufedern. Politisch diskutiert werden unter anderem Entlastungen bei Energiekosten sowie Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern und massive wirtschaftliche Schäden zu verhindern. Insgesamt hört man zunehmend, dass staatliche Eingriffe notwendig werden könnten, sollte sich die Lage weiter verschärfen und die Energiepreise dauerhaft hoch bleiben.
Die Wirtschaftskammer (WKO) verweist etwa auf erhebliche Unsicherheiten für Unternehmen – insbesondere durch volatile Energiepreise und Risiken im Außenhandel. Gleichzeitig stellt sie Informations- und Unterstützungsangebote für Betriebe bereit (siehe Link). Für die Arbeiterkammer stehen primär die steigenden Lebenshaltungskosten für Haushalte im Fokus. Auch die Gewerkschaften warnen vor steigenden Belastungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie vor möglichen realen Einkommensverlusten infolge der Inflation.
Die Bank Austria hat angesichts des Iran-Konflikts ihre Wachstumsprognose für Österreich bereits nach unten korrigiert: Für 2026 wird nun nur noch ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent erwartet, für 2027 1,4 Prozent. Grund dafür sind vor allem die gestiegenen Energiepreise sowie die anhaltende geopolitische Unsicherheit, die Investitionen hemmt und den Konsum belastet.
Die Nationalbank (ÖNB) hat drei mögliche Szenarien zu den wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten ausgearbeitet. Enden die Kampfhandlungen rasch und schwächt der Konflikt ab, wie es zuletzt auch US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt hat, wären „keine oder sogar positive Auswirkungen auf die Wirtschaft“ zu erwarten. Das gelte insbesondere dann, wenn der Iran sich nach dem Konflikt zu einem stärkeren Handelspartner für Österreich und die EU entwickelt würde.
Zieht sich die Lage hingegen bei ähnlicher Intensität über längere Zeit hin, könnten laut Nationalbank negative Effekte auf Inflation und Wirtschaftswachstum eintreten. ÖNB-Präsident Martin Kocher bezifferte dies mit einem um 0,25 Prozentpunkte geringeren Wachstum sowie einer um 0,5 Prozentpunkte höheren Inflation. Im ungünstigsten Fall könnte die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozentpunkte zurückgehen, während die Inflation um einen ganzen Prozentpunkt ansteigt. Eine mit Sicherheit eintretende Rezession sieht Kocher allerdings nicht.
Bundesregierung ergriff bereits Maßnahmen
Angesichts der jüngsten Entwicklungen hat die Bundesregierung bereits erste konkrete Eingriffe beschlossen, um die Belastung abzufedern. So kommt es zu einer Senkung der Mineralölsteuer, das heißt die Steuer auf Benzin und Diesel wird temporär um etwa 5 Cent pro Liter reduziert. Dabei wird angepeilt, dass diese Maßnahme zu einer Preisreduktion für Konsumenten von rund 10 Cent pro Liter führen soll.
Weiters setzt die Dreier-Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS bei den Treibstoffanbietern an. Diese dürfen ihre Margen fortan nur noch begrenzt erhöhen – insbesondere dann, wenn sie deutlich über das Vorkrisenniveau steigen. Diese Maßnahmen sind laut Bundesregierung ausdrücklich als temporäre Krisenreaktion gedacht und sollen bis Jahresende gelten. Ziel ist es, die Inflation zu bremsen, die Kaufkraft zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern. Zusätzlich sollen Preiserhöhungen bei Treibstoffen nur noch dreimal pro Woche – jeweils montags, mittwochs und freitags – vorgenommen werden dürfen, während Preissenkungen jederzeit möglich bleiben. Ziel ist es, die Dynamik an den Tankstellen zu beruhigen, ohne sofort massiv in den Markt einzugreifen. Außerdem wurde die Freigabe staatlicher Ölreserven angekündigt, um die Versorgung zu sichern und preisdämpfend zu wirken.
Die Maßnahmen stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Während aus der Wirtschaft vor Eingriffen in den Markt gewarnt wird und teilweise stärkere Entlastungen gefordert werden, kritisieren Umweltorganisationen eine mögliche Festigung der Abhängigkeit von fossilen Energien. Die Opposition, FPÖ und Grüne, hält die bisher geplanten Schritte für unzureichend.
Informationen für Reisende im Krisengebiet
Reisende werden dringend ersucht, in den Krisengebieten den Anweisungen der lokalen Behörden sowie der Reiseleitung Folge zu leisten. Zudem wird empfohlen, sich in der Elektronischen Erreichbarkeitsmeldung des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten zu registrieren: https://auslandsregistrierung.bmeia.gv.at/
Quellen: Spritpreise: Nur maximal drei Erhöhungen pro Woche – news.ORF.at | https://orf.at/stories/3422745/ | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260305_OTS0156/transportwirtschaft-fordert-notmassnahmen-gegen-steigende-treibstoffpreise | https://www.wienerzeitung.at/a/wie-sich-die-eskalation-in-iran-auf-unsere-wirtschaft-auswirken-koennte | Iran-Konflikt: Warum Europas Wirtschaft jetzt unter Druck steht – WKO | https://www.derstandard.at/story/3000000310621/teure-abhaengigkeit-von-oel-wie-der-krieg-im-iran-die-wirtschaft-in-oesterreich-treffen-kann | https://www.wko.at/oe/news/lage-im-iran | https://www.krone.at/4063456 | https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/tanken-wird-teurer-iran-krieg-laesst-spritpreise-steigen-art-638628 | https://www.wko.at/bgld/news/konflikt-iran-usa-israel-infopoint-der-wirtschaftskammer | Nationalbank: Iran-Krieg dürfte Wirtschaftserholung 2026 zunichte machen | Kurier | Iran-Krieg – Nationalbank-Chef: „Keine Rezession in Sicht“ | krone.at | Wie der Iran-Krieg die Gaspreise beeinflusst – steiermark.ORF.at | Iran-Krieg: Bank Austria senkt Wirtschaftsprognose | Kurier | Iran-Krieg. Österreich will Spritsteuer senken – Wirtschaft – SZ.de | Gaspreis steigt nach Iran-Eskalation um 25 Prozent – wie trifft das Österreich? – Wirtschaft – derStandard.at › Wirtschaft | Ohne Iran-Krieg: OECD hebt Österreichs BIP-Prognose an – news.ORF.at | Tanken: Krieg in Nahost treibt Spritpreise nach oben | Ministerrat: Regierung plant Spritpreisbremse – news.ORF.at

