Der Investor Siegfried Wolf hat sein Angebot für eine Übernahme des MAN Werkes in Steyr (OÖ) nachgebessert. Er will mehr Mitarbeiter übernehmen und mehr Arbeitsplätze sichern. Betriebsrat und Gewerkschaft begrüßten die Nachbesserungen, die sie am liebsten schriftlich hätten. Statt beim gescheiterten Angebot mit 1.250 sollen nun 1.400 Stellen erhalten bleiben, indem 150 Jobs über eine Arbeitsstiftung abgesichert werden Jene, die trotzdem vom Wegfall von 500 Jobs betroffen wären, sollen etwas besser aussteigen als zuvor geplant. Sie sollen, wenn sie den Sozialplan annehmen, nach dem deutschen Modell in der Nettoausgleichszahlung gleichgestellt werden. 

Dank eines Altersteilzeitmodells müssten sich ältere Mitarbeiter nicht „beim Arbeitsamt anstellen“. 166 Lehrstellen würden gesichert. Gehaltskürzungen, wie sie beim ersten gescheiterten Angebot vorgesehen waren, blieben freilich aufrecht. Im Gespräch ist eine Beteiligung der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich an dem Projekt.

Wolf hofft auf eine Dreiviertel-Mehrheit der Belegschaft und sagt ‘‘Steyr dürfe nicht zum Detroit Österreichs werden“. 

Für seine Pläne müsse man die Produktionsstraßen umbauen. Dafür seien bis zu 18 Monate eingeplant. Wolf hofft, dass MAN in diesem Sinne einer Weiterführung des Werks für zwei Jahre zustimmt. Wolf zeigte sich überzeugt, dass MAN – wenn es ein vom Betriebsrat unterstütztes Modell gebe, bereit sein werde, sich für Gespräche an einen Tisch zu setzen. Aus der Konzernzentrale in München hieß es erst am Freitag, derzeit werde nicht mit dem Ex-Magna-Chef verhandelt. MAN München hielt dabei neuerlich fest, dass Wolf „als einziger Interessent ein industriell logisches und fundiertes Konzept für eine Nachnutzung des Standorts vorgelegt hat“. 

Luftaufnahme einer Produktionshalle
Man Werk in Steyr Foto: © MAN 2021

Betriebsrat und Gewerkschaft begrüßten den neuen Anlauf von Wolf, ihre Skepsis blieb aber groß. Betriebsratschef Helmut Emler kritisierte, dass Wolf über die Medien ausrichte, wieder mit den Beschäftigten verhandeln zu wollen. Eine Bewertung des neuen Angebots von Wolf sei schwierig, weil er keine Details kenne. „Wenn es Änderungen gibt, dann soll er es bitte auf den Tisch legen“, forderte Emler. „Wir sehen das natürlich sehr kritisch. Aber man kann es natürlich versuchen. Wenn es Verbesserungen gäbe, dann kann man darüber reden.“

Ein weiterer Interessent für die Übernahmen des MAN Werkes ist das Green-Mobility-Konsortium rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger. Gemeinsam mit dem Consulter Deloitte Wien werde an der Endausarbeitung eines Konzepts gearbeitet. Es solle „nach Ablauf der Exklusivitätsfrist“ nach München übermittelt werden.

Vorgeschichte:

Das Werk MAN gehört zum deutschen Konzern MAN (ein Unternehmen der VW-Gruppe)  und bekam seit März 2019 in Österreich öffentliche Aufträge um mehr als 180 Millionen Euro. Im Jahr 1990 wurde die Nutzfahrzeug-Sparte (LKW) von Steyr-Daimler Puch an den MAN-Konzern in Deutschland verkauft. Das Unternehmen produziert am Standort Steyr sämtliche Lkw der leichten und mittelschweren Reihe der Marke MAN, sowie schwere Sonderfahrzeuge. Ferner liefert der Standort Steyr Komponenten für den internationalen MAN Produktionsverbund und betreibt insbesondere Europas größte Lackieranlage für Lkw-Kunststoffanbauteile.

Das Unternehmen erhielt bisher 2,4 Millionen Euro an Forschungsförderung und rund 11 Millionen Euro an Corona-Hilfen für Kurzarbeit. Die MAN-Belegschaft in Steyr erwirtschaftete 2019 einen Gewinn von 20 Millionen Euro. Trotzdem will die Konzernleitung (Sitz München) das Werk in Oberösterreich zusperren und stattdessen billiger im Ausland produzieren, nur um den eigenen Profit noch weiter zu steigern. Dabei hätte die öffentliche Hand durch ihre Auftragsvergabe ein Druckmittel in der Hand, heißt es aus der Gewerkschaft: Entweder die Jobs bleiben in Österreich, oder es gibt keine staatlichen Aufträge mehr. Am Werk in Steyr mit seinen 2.300 Arbeitsplätzen hängen bundesweit mit allen Zulieferbetrieben 8.400 Jobs das Forschungsinstitut WIFO geht von österreichweit 5.900 weniger Arbeitsplätzen aus, wenn MAN in Steyr zusperrt. 

Die Standortgarantie, das ist der sogenannte Standortsicherungs-Vertrag welchen das  Unternehmen und die Belegschaft 2019 abschlossen, der Kündigungen bis Ende 2030 ausschließt, wurde von MAN einseitig aufgelöst. Dadurch drohen aber dem Konzern laut dem Rechtsexperten Meinhard Lukas Milliarden an Ersatzzahlungen. Wird die Stammbelegschaft gekündigt, könnte sie wegen des Standortsicherungs-Vertrages bis 2030 Entschädigungen einklagen. Dafür müsste MAN 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro an die Gekündigten zahlen, schätzt Lukas.

Um mittelfristiges Geld scheint es dem Konzern ohnehin nicht zu gehen. Als Reaktion auf das klare Nein der Belegschaft zu den Übernahme-Plänen des Investors Siegfried Wolf will das Unternehmen in den kommenden Wochen alle 278 Leasingarbeiter kündigen. Trotzdem sollen wohl weiterhin 86 LKWs pro Woche vom Band gehen. 

Das reicht der Konzernleitung in München nicht. Sie wollen noch mehr Profit. Die Produktion soll von Steyr nach Polen verlagert werden. Dort können die LKWs billiger gebaut und der eigene Gewinn vergrößert werden.

Die SPÖ schlägt eine staatliche Beteiligung an MAN vor, um die Jobs zu retten. Wenn ohnehin schon Steuergeld in Aufträge und Förderungen fließen, sollen auch die Arbeitsplätze im Land bleiben. Die Sozialdemokraten wollen, dass die österreichische Beteiligungsgesellschaft ÖBAG mit 10 Milliarden Euro 20 Prozent des Werks in Steyr übernimmt.

Quellen:

https://ooe.orf.at/stories/3102915/

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/2103461-Investor-Wolf-legt-neues-Angebot-fuer-MAN-Werk.html

https://www.nachrichten.at/wirtschaft/mansteyr-arbeitnehmer-wollen-details-zu-neuem-wolf-angebot;art15,3396015

https://www.wsws.org/de/articles/2021/03/25/stey-m24.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Wolf_(Manager)

https://www.mantruckandbus.com/de/unternehmen/produktionsstandorte/steyr.html

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