An den acht österreichischen Auslandsschulen stammen nur rund zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler aus Österreich. Das zeigt eine aktuelle Auskunft von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS). Im vergangenen Schuljahr besuchten 77 Kinder und Jugendliche mit österreichischer Staatsbürgerschaft die Schulen, insgesamt waren weltweit 3.450 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Gleichzeitig wurden 165 Lehrkräfte aus Österreich an die Standorte entsendet. Laut Bildungsminister Wiederkehr (NEOS) gibt es für die geringe Anzahl an österreichischen Schülern aber auch historische Gründe.

Guatemala City, Standort der Auslandsschule Instituto Austriaco Guatemalteco © Juan Carlos Pavón/Unsplash
Österreichs Auslandsschulen mit besonderem historischen Zweck
Der Rechnungshof hatte bereits 2008 kritisiert, dass es an den österreichischen Auslandsschulen – anders als etwa bei vergleichbaren Einrichtungen Deutschlands oder der Schweiz – keine ausreichende Durchmischung der Schülerschaft gebe. Der Rechnungshof empfahl damals bereits eine bessere strategische Ausrichtung und verwies darauf, dass durch den Kontakt zwischen Kindern aus verschiedenen Ländern internationale Netzwerke entstehen könnten.
Bildungsminister Wiederkehr betonte hingegen, dass die österreichischen Auslandsschulen aus historischen, wirtschafts- und kulturpolitischen Gründen entstanden seien. Während andere Staaten ihre Auslandsschulen vor allem für Kinder eigener Staatsangehöriger wie etwa häufig jene von Diplomaten, Expats oder im jeweiligen Land stationierten Soldaten betreiben, richten sich die österreichischen Einrichtungen überwiegend an Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Gastländer.
8 Österreichische Auslandsschulen weltweit
Derzeit gibt es acht österreichische Auslandsschulen: in Budapest, Prag, Istanbul, Guatemala City, Shkodra, Querétaro und Chişinău. Die älteste Einrichtung ist das 1882 gegründete Sankt-Georgs-Kolleg in Istanbul. 1958 wurde mit dem Instituto Austriaco Guatemalteco in Guatemala City die zweite österreichische Auslandsschule gegründet. Mit knapp 1.000 Schülerinnen und Schülern in der Primar- und Sekundarstufe ist sie zurzeit die größte Auslandsschule. In den 1990er-Jahren kamen nach dem Ende des Eisernen Vorhangs ein Gymnasium in Prag sowie zwei Schulen in Budapest hinzu. 2007 wurde das Angebot durch eine Höhere Technische Lehranstalt für Informationstechnologie im albanischen Shkodra erweitert.
Zu den jüngsten Standorten zählen das 2011 eröffnete Colegio Austriaco Mexicano in Querétaro sowie die seit 2025 bestehende Scoala Austriaca Moldova in Chişinău. Die dort angesiedelte HTL für Elektronik und Technische Informatik soll gezielt einen Beitrag zur Ausbildung von Fachkräften leisten und damit auch den Bedarf des österreichischen Arbeitsmarktes unterstützen.
Unterrichtet wird nach österreichischen Lehrplänen mit Anpassungen an die jeweiligen nationalen Vorgaben. Die Schulen sind mehrsprachig organisiert. Deutsch wird bis zum Niveau der österreichischen Matura vermittelt. Jährlich erwerben rund 300 Jugendliche neben dem landesüblichen Abschluss auch die österreichische Matura. Etwa die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen entscheidet sich anschließend für ein Studium in Österreich, die Tendenz dabei ist steigend.
Die Schulen werden von Stiftungen, Vereinen oder Orden getragen. Österreich entsendet und finanziert sogenannte Subventionslehrkräfte, während die vor Ort beschäftigten Lehrkräfte von den jeweiligen Trägerorganisationen bezahlt werden. Das Bildungsministerium hebt zudem hervor, dass rückkehrende Lehrkräfte wertvolle Erfahrungen im mehrsprachigen Unterricht und in der Sprachförderung sammeln, die sie später im österreichischen Schulsystem einbringen können.
Ungarn als besonders starker Standort für österreichische Bildung
Eine besondere Rolle im Auslandsschulnetzwerk nimmt Budapest ein, wo sich gleich zwei österreichische Auslandsschulen befinden. Die Österreichische Schule Budapest wurde 1990 gegründet und führt als Oberstufenrealgymnasium zur österreichischen Matura. Ergänzt wird sie durch die Österreichisch-Ungarische Europaschule Budapest, die 1995 eröffnet wurde und eine Volksschule sowie eine Mittelschule umfasst.
Quellen: Kaum österreichische Kinder an Österreichs Auslandsschulen – news.ORF.at | Nur 2 Prozent österreichische Kinder an Österreichs Auslandsschulen | Nachrichten.at | Österreichische Auslandsschulen | Kaum österreichische Kinder an Österreichs Auslandsschulen | weltweitunterrichten.at/portal/auslandsschulen/taetigkeitstandorte
