Der Internationale Frauentag am 8. März stand auch im heurigen Jahr 2026 im Zeichen von Gleichstellung, Gerechtigkeit, Sichtbarkeit und umfassenden politischen Forderungen. Strukturelle Ungleichheiten die sich benachteiligend auf Frauen auswirken bestehen nach wie vor in Österreich. So sind etwa ganzheitliche Lösungen bei Einkommensunterschieden, ungleicher Verteilung von Care-Arbeit, mangelnder Repräsentation in politischen und wirtschaftlichen Führungsrollen sowie gesundheitlichen und sozialen Benachteiligungen noch ausstehend. Besonders bedrückend ist die tradierte Gewalt die Frauen in zahlreichen Formen und Ebenen in der Gesellschaft droht. In ganz Österreich wurden diesbezüglich von Seiten zahlreicher Organisationen Maßnahmen eingefordert und auf bestehende Missstände aufmerksam gemacht. In Graz etablierte man mit dem Frauen*März einen ganzen Aktions-Monat mit mehreren Veranstaltungen und Aktionen über den Weltfrauentag hinaus.

Viel erreicht, noch viel zu tun: Infoaktion am Grazer Hauptplatz | © Stadt Graz/Fischer

Demonstrationen bilden alljährlich einen zentralen Bestandteil des Weltfrauentags: In mehreren österreichischen Städten gingen Tausende Menschen auf die Straße, um gegen Ungleichheit und Diskriminierung zu protestieren und feministische Forderungen sichtbar zu machen. Zahlreiche Organisationen in ganz Österreich nutzten den Internationalen Frauentag zudem für gezielte Informations- und Sensibilisierungsarbeit. Vorwiegend thematisiert werden dabei nach wie vor die vehemente und in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitete Gewalt gegen Frauen, die Vernachlässigung von Frauen im Arbeitsmarkt, in der politischen Repräsentation sowie in der Gesundheitsversorgung.

Gewalt, Ungleichstellung, Unterrepräsentation

Ein besonders drängendes Thema ist die in Österreich weit verbreitete und vielseitig auftretende Gewalt gegen Frauen, die weiterhin als gravierendes gesellschaftliches Problem gilt. Auftreten kann Gewalt dabei in psychischer wie in körperlicher Form im eigenen Zuhause, auf dem Arbeitsplatz oder auch im öffentlichen Raum. Besonders in Bezug auf diese Gewaltbedrohung werden von zahlreichen Seiten umfassende und strukturell wirkende Maßnahmen gefordert, um Betroffene zu schützen und Prävention zu stärken. Laut Studien der Statistik Austria erleben in Österreich rund 1 von 3 Frauen (18-74 Jahre) psychische Gewalt und 1 von 7 Frauen körperliche Gewalt in Partnerschaften. Eine Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigt, dass es in Österreich in den Jahren 2010 bis 2020 312 Morde und 439 Mordversuche an Frauen gab, mit 794 weiblichen Opfern und 767 Tatverdächtigen. 9 von 10 Tatverdächtigen sind dabei männlich. 

Viel erreicht, noch viel zu tun: Infoaktion am Grazer Hauptplatz | © Stadt Graz/Fischer

Trotz Fortschritten bestehen für Frauen weiterhin deutliche geschlechtsdiskriminierende Unterschiede in Einkommen und Karrierechancen. Entgegenwirken könnten dabei zum Beispiel Qualifizierungsoffensiven, die Frauen bessere Chancen in zukunftsträchtigen Branchen ermöglichen sollen, sowie strukturelle Veränderungen, die gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit sicherstellen. Unternehmen und Führungspersonen in allen Branchen sind dabei aufgefordert auch Eigeninitiative zu ergreifen, Ungleichheiten zu erkennen und Gleichstellung sicherzustellen. Nur etwa die Hälfte der österreichischen Unternehmen hat die Gleichstellung von Frauen als Unternehmensziel verankert. Besonders hervorgehoben wird die Notwendigkeit, Frauen stärker in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu fördern. Das Österreichische Patentamt verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Frauen als Erfinderinnen und Innovatorinnen in Österreich nach wie vor unterrepräsentiert sind.

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Ein weiterer zentraler Bereich betrifft die politische Teilhabe. Während in zahlreichen Institutionen und Organen der Republik auf Bundes- und Landesebene oft noch keine anteilsmäßige Gleichstellung erreicht ist, ist dies vor allem auf Gemeindeebene noch sehr deutlich zu spüren. Der Österreichische Gemeindebund fordert daher mehr Frauen in der Kommunalpolitik im ländlichen Bereich, um Entscheidungen vielfältiger und repräsentativer zu gestalten. Auch im Bereich der Sicherheit und Selbstbestimmung für Frauen werden klare Forderungen formuliert. So setzt sich die Bundesjugendvertretung für eine gesetzliche Verankerung des Grundsatzes „Nur Ja heißt Ja“ ein, um sexuelle Selbstbestimmung besser zu schützen und rechtlich klarer abzusichern. Dies soll garantieren, dass körperliche Intimität zwischen zwei Personen wirklich nur dann aufkommt, wenn beide damit auch eindeutig einverstanden sind.

Darüber hinaus wird auf die Gesundheit von Frauen aufmerksam gemacht. So zeigen aktuelle Zahlen, dass ein Großteil der Hilfesuchenden bei der Krebshilfe Frauen sind, was die Bedeutung geschlechtsspezifischer Gesundheitsangebote unterstreicht. Medizinische Forschung an Therapiemethoden und Medikamenten verläuft oft ohne ausreichende Rücksicht auf weibliche Körper und Immunsysteme. Gleichzeitig wird betont, dass auch die psychische Gesundheit stärker berücksichtigt werden muss, da sie eng mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ungleichheiten verknüpft ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Frauen mit Behinderungen, die mehrfach benachteiligt und häufig übersehen werden. Hierzu werden gezielte Maßnahmen gefordert, um Diskriminierung abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen.

Viel erreicht, noch viel zu tun: Infoaktion am Grazer Hauptplatz | © Stadt Graz/Fischer

 _ENOUGH!BASTA!GENUG! – Frauen*März in Graz

In Graz wird der Internationale Frauentag mittlerweile nicht mehr nur am 8. März selbst begangen, sondern im Rahmen des umfassenden „Frauen*März“ über mehrere Wochen hinweg thematisiert. Ziel ist es, die Leistungen von Frauen sichtbar zu machen und gleichzeitig auf bestehende Herausforderungen hinzuweisen. Ein zentrales Element ist die Pionierinnengalerie im Rathaus, die die Beiträge von Frauen zur Grazer Stadtgeschichte hervorhebt. Ergänzend dazu machten Info-Installationen am Grazer Hauptplatz auf Fortschritte und bestehende Ungleichheiten aufmerksam. Darüber hinaus umfasst der Frauen*März in Graz zahlreiche Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Bildung und Politik. Workshops, Diskussionen und Aktionen bieten Raum für Austausch und Sensibilisierung. Graz zeigt sich mit diesem Konzept als leitendes Beispiel dafür, wie die fortbestehende Frauenrechtsthematik über einen einzelnen Aktionstag hinaus erweitert werden kann.

Quellen: Expertinnen analysieren: Was Politik für Frauen tut – und tun müsste – news.ORF.at | Holzleitner: Keine Kürzungen im Frauenbereich – news.ORF.at | https://www.derstandard.at/story/3000000310513/wo-bleiben-die-oesterreichischen-erfinderinnen | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260303_OTS0006/mehr-gendergerechtigkeit-in-mint-berufen-oesterreichisches-patentamt-zeigt-best-practice | https://tirol.orf.at/stories/3344532/ | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260306_OTS0032/weltfrauentag-kein-budget-auf-dem-ruecken-der-frauen | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260306_OTS0015/gemeindebund-zum-weltfrauentag-mehr-frauen-in-die-kommunalpolitik | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260306_OTS0010/bundesheer-staerkt-frauenanteil-und-praesentiert-rekordzahlen-zum-weltfrauentag | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260305_OTS0138/bundesjugendvertretung-zum-frauentag-nur-ja-heisst-ja-gesetzlich-verankern | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260305_OTS0020/frauentag-qualifizierungsoffensive-foerdert-gleichstellung-am-arbeitsmarkt | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260305_OTS0007/weltfrauentag-2026-75-prozent-der-hilfesuchenden-bei-der-krebshilfe-sind-frauen | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260305_OTS0006/weltfrauentag-2026-psychische-gesundheit-von-frauen-ist-eine-frage-der-gerechtigkeit | https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260304_OTS0085/frauen-mit-behinderungen-uebersehen-benachteiligt-und-gefaehrdet | Deloitte Studie zum Weltfrauentag 2026 | Deloitte Österreich | Frauentag | International | Weltfrauentag – Stadtportal der Landeshauptstadt Graz | Frauen*tag | 0803* | Gewalt in der Partnerschaft/Beziehung (Intimate Partner Violence) – Gewaltinfo

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