Der langjährige Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) Harald Mahrer trat von seinen Positionen in der WKO, im ÖVP-nahen Wirtschaftsbund und später auch vom Präsidium der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zurück. Der Druck war im November mit zuletzt massiv lauter werdenden Rücktrittsaufforderungen stark gestiegen. Auslöser der Debatte um Mahrer waren Gehalts- und Entschädigungserhöhungen für Mitarbeitende und Spitzenfunktionäre sowie Mahrers als unglücklich kritisierte Kommunikation. Mahrer beklagte „persönliche Ressentiments und Populismus“, sah aber keine Möglichkeit mehr „verantwortungsvolle Beiträge“ zu leisten. Die Politik reagierte mit Respekt für seine Entscheidung, zugleich aber mit klaren Erwartungen an eine rasche Neuaufstellung der Kammer.

Harald Mahrer im Nationalrat ©Parlamentsdirektion/​Bildagentur Zolles

Forderungen nach Reformen der WKO

Mit Mahrers Rückzug verstärkten sich über Parteigrenzen hinweg die Rufe nach tiefgreifenden Reformen in der WKO. Kritisiert werden seit Langem die historisch gewachsenen Strukturen, die Pflichtmitgliedschaft für Unternehmerinnen und Unternehmer sowie als überbürokratisch empfundene Abläufe. Besonders der Skandal um Gagen- und Gehaltserhöhungen löste Unmut in Politik und Wirtschaft aus. NEOS, FPÖ, Grüne Wirtschaft und Industriellenvereinigung forderten eine umfassende Modernisierung – von der finanziellen Transparenz bis zu Verschlankungen in Organisation und Beitragswesen. Auch der Rechnungshof kündigte Prüfungen an.

Auf Harald Mahrer folgt die Tirolerin und langjährige Vizepräsidentin der WKO Martha Schultz als Interimspräsidentin. Sie betonte vor dem Wirtschaftsparlament, „keine Revolution, aber eine Reform“ anzustreben. Ein Allparteienantrag setzte die Einrichtung einer Reformgruppe durch, die sich Aufgaben-, Struktur-, Organisations-, Wahlrechts- und Finanzierungsreformen widmen soll. Ein Zwischenbericht wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet. Schultz sprach von einem „ramponierten“ Image und dem Ziel, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Erste Maßnahmen sind das Aussetzen der Funktionsentschädigungserhöhungen, eine moderatere Gehaltsanpassung 2026 sowie eine angekündigte externe Prüfung.

Unternehmerinnen und Unternehmer bemängeln zunehmend, dass die WKO den Anforderungen einer modernen Wirtschaft nicht mehr gerecht werde. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen kritisieren Pflichtbeiträge und fehlenden Nutzen. Schultz betonte hingegen die Bedeutung der Pflichtmitgliedschaft für die Unabhängigkeit der Interessenvertretung.

Mahrers Rücktritt auch in der OeNB

Parallel zu seinem Abschied aus der WKO legte Harald Mahrer auch sein Amt als Präsident des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank zurück. Der Rücktritt zum 30. November wurde nach anhaltender Kritik an Mehrfachbezügen und der politischen Debatte um seine Funktionen offiziell bestätigt. Mahrer begründete seinen Schritt damit, keine „halben Sachen“ machen zu wollen und sich zunächst auf die Kammer konzentriert zu haben.

Mahrers Rückzug aus der Nationalbank folgte einer längeren Phase der Kritik, in der seine Kombination von WKO-, Wirtschaftsbund (WB)- und OeNB-Funktionen zunehmend infrage gestellt wurde. Ursprünglich hatte Mahrer angekündigt, nur den OeNB-Posten zurückzulegen, doch die anhaltende öffentliche Debatte führte schließlich zu den weiteren Rücktritten.

Die Regierung bestimmte schließlich Anfang Dezember den ehemaligen EU-Kommissar für Regionalpolitik Johannes Hahn zum neuen Präsidenten des OeNB-Generalrats. Hahn tritt das Amt am 1. Jänner 2026 für fünf Jahre an und wurde auf Vorschlag der ÖVP im Rahmen des Koalitionsabkommens nominiert. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) lobte seine langjährige europäische Erfahrung und Entscheidungsstärke. Die Bestellung wurde von SPÖ und NEOS mitgetragen.

Quellen: Rücktritt fix: Mahrer geht als WKO-Präsident – news.ORF.at | Nach Abgang von Mahrer werden Rufe nach Totalreform der Kammer lauter – Unternehmen – derStandard.at › Wirtschaft | Reformgruppe: Neue WKO-Chefin will „keine Revolution“ – news.ORF.at | Mahrer per 30. November nicht mehr Nationalbank-Präsident – news.ORF.at | Ex-EU-Kommissar Hahn wird OeNB-Präsident – Wirtschaft – derStandard.at › Wirtschaft

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