Laut einer aktuellen Analyse der Umweltorganisation Greenpeace gibt es in Österreich große Unterschiede bei der Begrünung von Innenstädten. Während Randgebiete und Vororte häufig über weitläufige Grünflächen verfügen, sind viele Stadtzentren stark versiegelt. Expertinnen und Experten erkennen zwar einzelne Verbesserungen, betonen jedoch, dass es deutlich mehr Mut brauche, um den öffentlichen Straßenraum grundlegend neu zu gestalten. Lesen Sie über Österreichs Landeshauptstädte im Vergleich, und darüber welche gesundheitlichen Folgen betongraue Städte mit sich ziehen.

Donaukanal in Wien © Stadt Wien/Christian Fürthner

Satellitendaten zur Grünflächenbestimmung

Grundlage der Untersuchung waren Satellitendaten, mit denen die Begrünung der Innenstädte verglichen wurde. Für die Analyse wurden zunächst mithilfe der Flächenwidmungspläne die jeweiligen Stadtkerne abgegrenzt. Anschließend berechnete Greenpeace den Anteil der Grünflächen innerhalb dieser Bereiche anhand von Satellitenbildern. Spitzenreiter bei der Begrünung ist Bregenz mit einem Grünanteil von 38,3 Prozent, während Innsbruck, St. Pölten und Wien die letzten Plätze belegen. Die Umweltorganisation warnt davor, dass stark versiegelte Flächen die Hitzeentwicklung in den Innenstädten erheblich verstärken.

Regionale Unterschiede

Die Auswertung der Satellitendaten zeigt klare regionale Unterschiede beim Grünflächenanteil in den Stadtzentren der österreichischen Landeshauptstädte. Nach dem oben genannten Bregenz folgt Linz mit 33,4 Prozent und Graz mit 32,2 Prozent. Im Mittelfeld liegen Salzburg (29,7 Prozent), Klagenfurt (29,1 Prozent) und Eisenstadt (28,0 Prozent).

Am unteren Ende des Rankings befinden sich Wien mit 26,3 Prozent sowie St. Pölten mit 25,3 Prozent. Schlusslicht ist Innsbruck, dessen Stadtzentrum lediglich einen Grünflächenanteil von 25,0 Prozent aufweist.

© Greenpeace Österreich

Österreichs Landeshauptstädte im Vergleich

Bregenz punktet vor allem mit der baumreichen Seepromenade am Bodensee. Dennoch: In den Fußgängerzonen, besonders rund um den neu gestalteten Leutbühel, fehlen Bäume und Begrünung fast vollständig.

Linz profitiert von vielen begrünten Innenhöfen und sogar einzelnen Gründächern rund um den Bahnhof. Am Hauptplatz und in den umliegenden Fußgängerzonen bleibt jedoch dringender Nachholbedarf.

Graz hat mit dem Schlossberg, dem Volksgarten und dem Stadtpark verhältnismäßig große Grünzonen. Rund um den Hauptplatz und in Fußgängerzonen fehlt es aber an Bäumen und Schatten.

Salzburg überzeugt im neueren Stadtteil mit begrünten Innenhöfen und ersten Grünflächen. In der Altstadt rund um den Dom sowie im Bereich des Bahnhofs fehlen kühlende Bäume und grüne Flächen jedoch fast vollständig.

Klagenfurt verfügt am Rande des Zentrums über größere Grünflächen. In der Kernzone rund um den Neuen Platz dominieren jedoch graue Flächen: Hier fehlen Bäume und kühlendes Grün fast vollständig.

Eisenstadt profitiert im Zentrum vor allem von grünen Randflächen und Sportplätzen im Norden und Osten. Rund um das Rathaus und den Domplatz zeigt sich jedoch ein graues Bild: Hier mangelt es massiv an Bäumen und ökologisch wertvollem Grün.

Wien profitiert von großflächigen Grünzonen wie dem Prater, Stadtpark und Augarten. In den stark frequentierten Innenbezirken sowie auf Plätzen und in Fußgängerzonen besteht jedoch dringender Nachholbedarf an schattenspendenden Bäumen und Grünflächen.

St. Pölten verfügt zwar über mehrere kleine Parkanlagen im Stadtgebiet, weist im historischen Kern jedoch ein Defizit auf. Besonders rund um den Rathausplatz bleibt das Stadtbild weitgehend grau – es mangelt massiv an Begrünung und schattenspendenden Bäumen.

Innsbruck bildet das Schlusslicht, obwohl der Inn und der Hofgarten grüne Akzente setzen. In der historischen Altstadt und den Fußgängerzonen bleibt das Potenzial jedoch ungenutzt: Es fehlen öffentliche Grünflächen und auch die vielen Innenhöfe sind kaum begrünt.

Beton-Grau und Hitzeinseln bedrohen Gesundheit von Mensch und Tier

Angesichts immer neuer Temperaturrekorde im Sommer geraten viele Stadtzentren zunehmend unter Druck: Beton und Asphalt speichern Hitze, verstärken sogenannte Hitzeinseln und beeinträchtigen damit sowohl die Aufenthaltsqualität als auch die Gesundheit der Bevölkerung. Gleichzeitig fehlt es gerade in stark frequentierten Bereichen vieler Innenstädte an ausreichend Grünflächen.

Greenpeace sieht darin dringenden Handlungsbedarf und fordert, „Grünräume müssen als vernetztes System im gesamten Stadtgebiet geplant und umgesetzt werden“. Dadurch könnten nicht nur Lebens- und Aufenthaltsqualität in den Städten verbessert, sondern auch wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden.

Mehr Grünflächen gelten dabei als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen die zunehmende Überhitzung urbaner Räume. Bäume, Sträucher und Blühwiesen sorgen für Kühlung, lockern versiegelte Flächen auf und machen Städte lebenswerter. Die Analyse zeigt jedoch, dass sich Grün häufig auf Innenhöfe oder Randbereiche konzentriert, während zentrale Orte des täglichen Lebens, etwa Einkaufsstraßen und stark genutzte Plätze, vielerorts weiterhin von Grau dominiert werden.

In dicht verbauten Stadtzentren speichern Beton und Asphalt große Mengen an Wärme. Dadurch entstehen sogenannte Hitzeinseln, die die Temperaturen in Innenstädten deutlich ansteigen lassen und gesundheitliche Folgen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafprobleme oder Erschöpfung begünstigen können. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen.

Grünflächen gelten als wirksames Mittel gegen diese Überhitzung. Studien zeigen, dass begrünte Flächen ohne Bäume die Umgebung im Vergleich zu stark versiegelten Bereichen durchschnittlich um 5,5 Grad Celsius abkühlen können. Befinden sich zusätzlich Bäume auf den Flächen, sind sogar Temperaturunterschiede von bis zu elf Grad möglich. Darüber hinaus wirken unversiegelte Böden bei Starkregen wie natürliche Wasserspeicher: Sie nehmen Regenwasser auf, speichern es und tragen so dazu bei, Überflutungen zu reduzieren.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) weist zudem darauf hin, dass sich Europa seit den 1980er-Jahren mehr als doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Mehr Grün in Städten ist daher nicht nur eine Frage der Gestaltung, sondern zunehmend eine Maßnahme zur Klimaanpassung.

Auch Fachleute betonen die wichtige Rolle urbaner Grünräume. Jürgen Furchtlehner vom Institut für Landschaftsarchitektur der Universität für Bodenkultur Wien erklärt, dass insbesondere Bäume wie natürliche Klimaanlagen wirken: Sie spenden Schatten, absorbieren Sonnenstrahlen, binden Kohlendioxid und kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung. Ähnlich argumentiert Katrin Hagen vom Forschungsbereich Landscape der TU Wien: „Bäume sind das Um und Auf“. Grünflächen seien nicht nur wertvolle Erholungsräume, sondern verbesserten auch das Stadtklima insgesamt und könnten langfristig Kosten etwa im Gesundheits- oder Hochwasserschutzbereich reduzieren.

© Greenpeace Österreich

Wie weit bis zum nächsten grünen Platzerl? Maximal 300 Meter!

Gerade in Städten gewinnen Grünanlagen als natürliche Klimaanlagen zunehmend an Bedeutung. Ein Blick auf die Entwicklung der Hitzetage in Österreichs Landeshauptstädten verdeutlicht diese Entwicklung: In den vergangenen Jahrzehnten ist deren Zahl massiv angestiegen.

So verzeichnete Innsbruck im Zeitraum von 1961 bis 1990 durchschnittlich noch rund neun Hitzetage pro Jahr. Zwischen 2021 und 2025 stieg dieser Wert bereits auf 32 Tage an. Auch in Bregenz zeigt sich trotz insgesamt niedrigerer Werte ein deutlicher Anstieg – von etwa drei auf 14 Hitzetage jährlich.

Der Landschaftsarchitekt Jürgen Furchtlehner betont daher die Bedeutung leicht erreichbarer Grünräume im urbanen Raum. Als Orientierung nennt er einen Radius von 300 Metern: Innerhalb dieser Distanz sollte jede Bewohnerin und jeder Bewohner Zugang zu einem Park haben. Diese Entfernung sei auch für ältere Menschen, Kinder und Personen mit eingeschränkter Mobilität gut zu Fuß erreichbar.

Grünraum ist auch eine soziale Frage

Furchtlehner weist zudem darauf hin, dass die Verfügbarkeit von Grünraum auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit ist. Öffentliche Grünflächen fehlten häufig gerade in jenen Stadtteilen, in denen Menschen mit geringerem sozioökonomischem Status leben. In Wien etwa habe rund ein Drittel der Bevölkerung keinen öffentlich zugänglichen Grünraum in unmittelbarer Wohnnähe.

Neben der Schaffung neuer Grünflächen sei laut Furchtlehner auch deren langfristige Pflege entscheidend. Die Instandhaltung von Parks und Grünanlagen erfordere kontinuierliche Aufmerksamkeit und spiele eine zentrale Rolle für deren nachhaltige Wirkung und Nutzbarkeit.

Quellen: „Großes Potenzial im Straßenraum“: Heimische Städte zwischen Grau und Grün – news.ORF.at | Parks, Bäume, Wiesen: Landeshauptstädte im Satelliten-Check | Greenpeace | Greenpeace: Bregenz gewinnt Rennen um Österreichs grünsten Stadtkern | Greenpeace | FS Österreichs grünste Stadtzentren.pdf – Google Drive | 20260508_Österreichs grünste Stadtzentren – Google Drive

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