Siebzig Jahre im Dienst der Österreicher im Ausland

Dr. Jürgen Em

Der Weltbund besteht seit 70 Jahren als Dachverband der Österreicher im Ausland und Interessenvertretung. Ich selbst hatte die Ehre davon über die Hälfte, fast 40 Jahre, dieser Zeit dem Weltbund und damit den Auslandsösterreichern zu dienen, mich für sie einzusetzen und zu versuchen ihre Interessen durchzusetzen, zuerst als Vorstandsmitglied, dann als langjähriger Vizepräsident und jetzt als Präsident.

Vor 70 Jahren waren durch die Besetzung Österreichs die politischen Verhältnisse schwierig, doch auf Anregung der Österreicher in der Schweiz und Liechtenstein wurde vom damaligen Außenminister Dr. Karl Gruber eine Delegiertenversammlung der Österreicher im Ausland in Dornbirn vom 11. bis 13. September 1952 einberufen und von engagierten Auslandsösterreichern der Weltbund, der sich zuerst „Auslandsösterreicher–Zentralverband der Österreicher Vereine im Ausland“ nannte und später in Weltbund der Österreicher im Ausland – (WBÖA) umbenannt wurde, gegründet. Politisches Ziel in Österreich war eine Institution zu schaffen, die bei politischen Schwierigkeiten aus dem Ausland heraus weltumspannend wirken konnte. Aus diesem Grund wurde auch der Sitz des Zentralverbandes nach Zürich gelegt, wo er bis 1955 (Staatsvertrag) blieb. Erster Präsident des Zentralverbandes wurde der bekannte Staatsrechtler Professor Dr. Hans Nawiasky.

Die Bedeutung dieser Gründung zeigte sich auch darin, dass diese von Bundeskanzler Leopold Figl unterstützt wurde und dieser die Österreicher im Ausland als „10. Bundesland“ bezeichnet hat.

Doch auch weiterhin wurde von der österreichischen Politik den Österreichern im Ausland Aufmerksamkeit geschenkt und Zusammenarbeit angeboten. So kamen zu den Auslandsösterreichertreffen, die von Anfang an in Österreich stattfanden, wesentliche Vertreter der österreichischen Politik. Um nur einige Politiker aus der Vergangenheit zu nennen: Die Außenminister Bruno Kreisky, Lujo Toncic-Sorinj, Kirchschläger, Pahr, Gratz und Mock. Bundespräsident Theodor Körner hat die Auslandsösterreicher anlässlich eines Treffens zu einem Empfang in die Hofburg gebeten, ebenso haben dies später die Bundespräsidenten Schärf, Waldheim und Klestil gehalten. Etliche Bundespräsidenten wie unter anderem Schärf, Kirschschläger, Waldheim, Fischer und Bundeskanzler, sowie Landeshauptleute haben auch an den Festakten des Weltbundes teilgenommen. 

Foto: Dr. Em (li.) und Botschafter Mag. Strohmayer

Visionäre Gründungsväter

Die visionäre Vorstellung der Gründungsväter des Weltbundes zeigt sich auch im Gründungsprotokoll, wo schon 1952 auf die Anliegen und Forderungen der Österreicher im Ausland hingewiesen wurde, die heute noch gelten, wie zum Beispiel Doppelstaatsbürgerschaft und Beibehaltung, Wahlrecht, Erhaltung derselben politischen Rechte wie Inlandsösterreicher, aber auch Sozialversicherungsfragen und etliches mehr.

Foto: Gustav Chlestil (li.) überreicht Herrn Frühwirth das Goldene Ehrenzeichen des AÖWB

Das Protokoll weist aber damals schon auf die Bedeutung der im Ausland lebenden Österreicher zum Nutzen Österreichs hin, in wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht sowie über die Prägung des Images Österreichs im Ausland. Aber auch, dass sich Österreich um seine Auslandsbürger kümmern soll und ihnen das Gefühl geben muss, dass sie sich als gleichwertige österreichische Bürger auch im Ausland fühlen können. All das gilt 70 Jahre nach der Gründung des Weltbundes noch!

„Weltbund der Österreicher im Ausland“ und „Auslandsösterreicherwerk“

Zur Unterstützung dieser Anliegen wurde 1956 im Inland, in Wien, das Auslandsösterreicherwerk (AÖW) gegründet. Beide Institutionen WBÖA und AÖW haben jahrzehntelang Hand in Hand zum Wohl der Österreicher im Ausland gearbeitet. 2002 kam es dann aus Synergieüberlegungen zur Zusammenlegung zum „Auslandsösterreicher-Weltbund“ (AÖWB), um noch effektiver für die Auslandsösterreicher zu arbeiten. Wobei wir den Begriff Auslandsösterreicher sowohl im Namen wie auch bei der Argumentation geschlechtsneutral auffassen und darunter sowohl Auslandsösterreicherinnen wie Auslandsösterreicher subsumieren.

Unsere Arbeit für die Auslandsösterreicher

Vieles haben wir in diesen Jahrzehnten erreicht, zum Beispiel die Erkämpfung des Wahlrechts für die Auslandsösterreicher durch ein Verfassungsgerichtsurteil und anschließend die Erreichung des echten Briefwahlrechts, nicht nur für die Österreicher, die im Ausland leben, sondern auch für die Inlandsösterreicher. Wir wollen keine Extravergünstigungen, sondern wir sind Österreicher, ob wir im Inland oder im Ausland wohnen.

Foto: Dr. Helperstorfer trägt den Bericht des Generalsekretariates vor

Vieles was bei der Gründung des Weltbundes gefordert wurde, müssen wir noch erledigen, wie zum Beispiel die Änderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes, die Beibehaltung und Doppelstaatsbürgerschaft, Verbesserungen und Modernisierungen des Wahlrechts bis hin zu E-Voting, eine institutionalisierte Vertretung der Auslandsösterreicher im Nationalrat, Sozial- und Krankenversicherungsfragen und etliches mehr.

Als Nachfolger der Gründungsväter des Weltbundes haben wir die Verpflichtung in ihrem Sinn die Interessen der Auslandsösterreicher vehement weiter zu verfolgen. Dabei ist auch zu beachten, dass sich die Struktur der Auslandsösterreicher im Laufe der Zeit stark gewandelt hat von Auswanderern zu Österreichern, die vor allem beruflich bedingt ins Ausland gehen und auch wieder in ihre Heimat Österreich zurückwollen. Sei es entweder in der Pension, aber auch beruflich, weil ihre Berufserfahrungen, die sie im Ausland gemacht haben, in Österreich gefragt sind und gebraucht werden. Derzeit leben circa 580.000, in steigender Zahl, österreichische Staatsbürger im Ausland und etwa 1 Million sogenannter „Herzensösterreicher“ mit österreichischer Abstimmung, beziehungsweise ehemalige österreichische Staatsbürger, die eventuell durch Annahme einer anderen Staatsbürgerschaft im Gastland die österreichische Staatsbürgerschaft verloren haben.

Nutzung moderner Kommunikationsmittel und Netzwerk Auslandsösterreich

Wir müssen bei der politischen Durchsetzung unserer Anliegen und um diese in der Politik und bei den österreichischen Politikern mehr Gewicht zu geben, moderne Kommunikationsmittel verstärkt einsetzen, unser Wahlrecht nutzen, uns in die Wählerevidenzlisten eintragen und auch wählen gehen, denn nur so kann man Vertreter politischer Parteien als Wähler beeindrucken, damit wir Druck für unsere Anliegen bei den Politikern ausüben können.

Wichtig sind dabei auch unsere Netzwerke, die wir verstärkt nutzen und weiterentwickeln müssen. Neue Formen der Kommunikation sind notgedrungen aufgekommen, wie zum Beispiel virtuelle Zusammenkünfte, Facebook-Kontakte und Videokonferenzen. Wichtig in diesem Zusammenhang war und ist, bestehende wie auch neue Netzwerke dafür zu nutzen, aber nicht nur untereinander im Ausland, sondern auch in Verbindung mit der Heimat Österreich. 

Wir Österreicher im Ausland haben Einfluss, unsere Netzwerke unter dem Motto: „Weltweit Freunde“ sind nicht nur für uns, um uns gegenseitig bei verschiedensten Gelegenheiten zu helfen von Nutzen, sondern können auch zum Wohle Österreichs in wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht eingesetzt werden. 

Der nutzt diese Netzwerke, seien es seine eigenen, wie die Homepage: www.weltbund.at, virtuelle Zusammenkünfte, wie zum Beispiel Durchführung von weltweiten digitalen Präsidentenkonferenzen, Kommunikation über Facebook und Twitter, Vernetzung mit anderen österreichischen Netzwerken und dem Außenministerium, den monatlich erscheinenden Newsletter, der im Internet angeboten wird und weltweit ca. 20.000 Auslandsösterreichern in der ganzen Welt erreicht, das Auslandsösterreicher-Magazin ROT-WEISS-ROT und weitere.

Foto: Auszeichnung von Mag. Markus Bugnyar (4. v. li.) zum Auslandsösterreicher des Jahres 2019 in Eisenstadt

Unsere Arbeit als Interessenvertretung und Serviceorganisation

Der AUSLANDSÖSTERREICHER – WELTBUND kümmert sich weltweit um die Auslandsösterreicher in den Vereinen, z. B. als Serviceorganisation, aber er vertritt auch die Interessen aller Österreicher im Ausland. Bei 580.000 Österreichern in aller Welt bedeutet dies natürlich auch enorme personelle und finanzielle Belastungen. Wir bieten unsere Leistungen an, wir engagieren uns ehrenamtlich für Österreich und übernehmen vielfältige Aufgaben, die sonst von anderen gemacht werden müssen. Was ist dies Österreich wert?

Wir werden uns auch weiterhin den Interessen der Auslandsösterreicher widmen, wie unter anderem: der österreichischen Staatsbürgerschaft bei Annahme einer anderen im Gastland, erleichterte Wiedererlangung bei verlorener Staatsbürgerschaft, ein moderneres den Herausforderung einer globalen Welt gemäßes Staatsbürgerschaftsgesetz, Anerkennung von ausländischen Schulabschlüssen und keine Schlechterstellung beim Zugang zu österreichischen Universitäten, Versicherungsfragen, zum Beispiel bei Krankenzusatzversicherungen bei Rückkehr nach Österreich, wichtig bei einem durch Berufsfreizügigkeit gekennzeichneten Europa, E-Voting, eine institutionalisierte Vertretung der Auslandsösterreicher im Parlament. Dazu werden wir die Anliegen der Auslandsösterreicher im ständigen Gespräch mit den verantwortlichen Politikern und Institutionen vertreten, um die Bedeutung der Auslandsösterreicher für Österreich zu verdeutlichen. 

Alle im Ausland lebenden Österreicher können zum Erfolg beitragen, indem sie Mitglied in einem Österreicher Verein oder direkt im AUSLANDSÖSTERREICHER-WELTBUND werden und an Wahlen teilnehmen. Nur eine starke Interessenvertretung wird gehört und erreicht letztlich ihre Ziele.

Österreicher im Ausland müssen Flagge zeigen, damit wir wahrgenommen werden!

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