Inmitten des ehemaligen kaiserlichen Jagdgebietes Lainzer Tiergarten liegt idyllisch eingebettet das „Schloss der Träume“, wie Kaiserin Elisabeth ihre Villa einmal nannte. Kaiser Franz Joseph machte sie ihr zum Geschenk, in der Hoffnung, seine reisefreudige Frau damit öfter in Wien halten zu können. In fünfjähriger Bauzeit schuf der bekannte Ringstraßen-Architekt Carl von Hasenauer diesen für viele romantische Landhäuser des Großbürgertums beispielgebenden Bau. Ihren Namen gab der Villa die im Garten stehende Statue „Hermes als Wächter“.

Foto: Lisa Rastl ©Wien Museum  

Wie ein Kaiserpaar privat wohnt?

Hermesvilla, Tilgnersaal Foto: Lisa Rastl ©Wien Museum

Das zeigt eine eindrucksvolle Schau zur Geschichte des Hauses im ersten Stock: Fotos, Pläne und Dokumente, vor allem die erhaltenen Teile der originalen Einrichtung sowie viele persönliche Gegenstände aus dem Besitz des Kaiserpaares vermitteln kaiserliches Wohngefühl abseits der höfischen Repräsentation. Sensationell auch das Schlafzimmer der Kaiserin: Das riesige Prunkbett stammt noch aus der Zeit Maria Theresias. Die Wandmalereien nach Motiven aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ wurden nach Entwürfen von Hans Makart ausgeführt.

Renommierte Künstler des Historismus wie Franz Matsch, Hugo Charlemont, Ernst und Gustav Klimt gestalteten das kaiserliche Privatgemach. Ihre gymnastischen Übungen absolvierte die körperbewusste Sisi in dem ähnlich farbintensiv gestalteten Turnzimmer.

Nirgends sonst lassen sich in Wien Kunst-, Kultur- und Naturgenuss so unmittelbar verbinden!
Über die wechselvolle Geschichte des Hauses informiert die Ausstellung „Sisis Schloss der Träume – Die Hermesvilla und ihre Geschichte“. 

Geschichte

Zum Bau der „Villa Waldruh“ – so der ursprüngliche Projektname – entschloss sich Kaiser Franz Joseph im Sommer 1881. Er ließ die Anlage 1882–1886 nach den Plänen des Architekten Karl Freiherr von Hasenauer für seine Frau errichten, die dem höfischen Zeremoniell oft fern sein wollte. Damals lag der Lainzer Tiergarten außerhalb Wiens.

Spätestens 1885 fiel die Entscheidung, dem Schloss den Namen „Villa Hermes“ zu geben. Die Kaiserin selbst beauftragte den Berliner Bildhauer Ernst Herter mit der Gestaltung der Skulptur „Hermes der Wächter“, die im Garten aufgestellt werden sollte. 1886 war das Gebäude, inklusive aller Nebengebäude, wie zum Beispiel der Reitschule der Kaiserin, fertiggestellt. Von 1887 bis 1898 hielt sich das Kaiserpaar regelmäßig im späten Frühjahr zumindest einige Tage, meistens aber einige Wochen hier auf. Am 10. September 1898 wurde Elisabeth ermordet.

Im Zuge der weiteren Bauarbeiten befahl der Kaiser die Planierung sämtlicher Wiesen innerhalb der Parforce-Planke und die Beseitigung der Maulwurfshügel, weil Ihre Majestät sonst hierorts nicht reiten könne. Am Ufer des nächstgelegenen Teiches im Lainzer Tiergarten wurde für die Kaiserin eine Badekabine errichtet, die heute nicht mehr erhalten ist. Die Straße zur Hermesvilla (die heutige Hermesstraße) war eine der ersten Wiens, die elektrische Beleuchtung erhielt; im Jahre 1896 wurde die allerhöchste Villa mit der Central-Telephonstelle in Wien verbunden.

Der Lainzer Tiergarten war 1855 aus kaiserlichem Privateigentum in das so genannte Hofärar, vom Kaiserhaus verwaltetes Staatseigentum, übergegangen. Das Hofärar fiel daher 1918 an die Republik. In der Ständestaatsdiktatur wurde der Tiergarten mit der Hermesvilla ins Eigentum der Stadt Wien übertragen. In der NS-Zeit wurde der Tiergarten 1941 zum Naturschutzgebiet erklärt.

In der Besatzungszeit 1945–1955 zählte der Tiergarten, da er erst 1938 als Teil des damaligen 25. Bezirks, Liesing, ins Stadtgebiet Wiens gelangt war, zur sowjetischen Besatzungszone Niederösterreichs. Die Hermesvilla wurde von Soldaten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Redimensionierung Wiens befand sich der Lainzer Tiergarten ab 1954 im neuen 23. Bezirk, 1956 wurde er in den 13. Bezirk aufgenommen.

1963 erwachte – nach der Walt-Disney-Filmproduktion Die Flucht der weißen Hengste, die zum Teil hier gedreht wurde – wieder Interesse am Gebäude, doch zeigte die Stadtverwaltung anfangs wenig Initiative. Durch die Privatinitiative namhafter Persönlichkeiten, darunter Bruno Marek, ab 1970 Altbürgermeister (Verein der Freunde der Hermesvilla), wurde die Villa ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende, 1968–1974, umfassend renoviert.

Die erste Ausstellung im Jahre 1971 wurde als Österreichs Beitrag zur Weltjagdausstellung in Budapest eröffnet. Seither wurden in der Hermesvilla, die seit langem vom städtischen Wien Museum „bespielt“ wird, immer wieder Ausstellungen abgehalten. Ausländische Besucher interessieren sich vorwiegend für die von Kaiserin Elisabeth bewohnten Räume, die weitgehend originalgetreu wiederhergestellt wurden.

Die aktuellen Schließzeiten des Lainzer Tiergarten finden sie HIER!

https://www.wienmuseum.at/de/standorte/hermesvilla

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermesvilla

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