Der Georg-Büchner-Preis 2021 geht an den österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz. Ursprünglich wurde er 1923 während der Weimarer Republik als hessischer Kulturpreis ins Leben gerufen,. Seit 1951 wird der Georg-Büchner-Preis von der Akademie für Sprache und Dichtung als Preis für deutschsprachige Literatur vergeben. Er gilt als wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands. 

Clemens J. Setz – ein „Sprachkünstler, der ins Herz der Gegenwart sticht“

Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass mit Setz ein „Sprachkünstler“ ausgezeichnet werde, „der mit seinen Romanen und Erzählungen immer wieder menschliche Grenzbereiche erkundet.“ Seine bisweilen verstörende Drastik steche ins Herz unserer Gegenwart, weil sie einem zutiefst humanistischen Impuls folge. Diese Menschenfreundlichkeit verbinde Clemens J. Setz mit einem enzyklopädischen Wissen und einem Reichtum der poetischen und sprachschöpferischen Imagination.

Wenn es so etwas wie einen jährlich wechselnden Titel der literarischen Hauptstadt im deutschsprachigen Raum gäbe, müsste die Ehrung 2021 nach Graz gehen. Nicht nur die aktuelle Bachmannpreisträgerin Nava Ebrahimi lebt in der steirischen Literaturmetropole, sondern auch der frisch gekürte Büchner-Preisträger Clemens J. Setz wurde dort 1982 geboren. 

So zufällig die Koinzidenz erscheinen mag, geht vom dortigen Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung und vom Literaturhaus der Stadt seit geraumer Zeit eine Wirkung aus, die weit über Österreich hinausstrahlt. Verantwortlich dafür ist Klaus Kastberger, Germanist und Professor für deutschsprachige Literatur, der Setz schon früh entdeckt und gefördert hat.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat in ihrer Begründung, Setz den Büchner-Preis zu verleihen, den „Eigensinn“, seine „verstörende Drastik“, „radikale Zeitgenossenschaft“ und seinen „Reichtum der poetischen und sprachschöpferischen Imagination“ hervorgehoben. 

Wer sich einmal auf seine kurzen oder auch sehr langen Werke eingelassen hat, wird genau diese Attribute bestätigt sehen. Mit einem enormen, fast schon enzyklopädischen Wissen ausgestattet, überrascht der Schriftsteller immer wieder mit Texten, die tatsächlich „menschliche Grenzbereiche“ erkunden — etwa in seinem 2015 erschienen Großwerk „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“.

„Ein idealer Büchner-Preisträger“

Clemens J. Setz, Foto: Wikipedia/Amrei Marie

Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wahrheit gehört zu den zentralen Themen im Werk dieses vielseitig interessierten Schriftstellers. Und ja, Clemens J. Setz erkundet „menschliche Grenzbereiche“, und zwar nicht um die Abweichungen von der vermeintlichen Norm an den Pranger zu stellen oder die Figuren zu verraten. Im Gegenteil. Setz folgt tatsächlich einem „zutiefst humanistischen Impuls“. Die Darmstädter Akademie spricht sogar von der „Menschenfreundlichkeit“ des Autors.

Setz ist in verschiedensten wissenschaftlichen und literarischen Sphären unterwegs. Zuletzt veröffentlichte er vor allem kurze Prosa, darunter den Band „Die Bienen und das Unsichtbare“, in dem er sich mit sogenannten Plansprachen wie Esperanto auseinandersetzt. 

Auch Georg Büchner, Namenspatron des wichtigsten Literaturpreises in Deutschland, lebte und arbeitete in literarischen und wissenschaftlichen, medizinischen und auch politischen Welten. In Corona-Zeiten, in denen die Wissenschaft zunehmend unseren Alltag prägt, in denen die Grenzziehungen von Wahrheit und Fake News immer schwieriger werden, ist mit Clemens J. Setz — diesem Fantasten des Realen — ein idealer Büchner-Preisträger ausgewählt worden.

Setz verfasst Tweets, Prosa und Poesie

Clemens J. Setz schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke. Er veröffentlicht über Twitter und übersetzt aus dem Englischen. Unter anderem wurde Clemens J. Setz in der Vergangenheit bereits mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2011 ausgezeichnet.

Sein Debütroman „Söhne und Planeten“ erschien 2007. Sein Roman „Indigo“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 und Setz überrascht die Leserschaft regelmäßig, etwa mit dem im Suhrkamp-Verlag erschienen „Bot – Werk ohne Autor“, in dem eine mit Notizen des Autors gefütterte KI auf Fragen antwortet.

Quellen:

https://www.swr.de/swr2/literatur/buechner-preis-100.html

https://orf.at/stories/3221674/

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