Ohne Proteste ist am Dienstag, dem Todestag Alfred Nobels, die Nobelpreis-Verleihung im Stockholmer Konzerthaus über die Bühne gegangen. Neben 12 Preisen an Wissenschafter der Disziplinen Physik, Chemie, Medizin und Wirtschaftswissenschaften übergab der schwedische König Carl XVI. Gustaf den Literaturnobelpreis für 2018 an die Polin Olga Tokarczuk und für 2019 an den Österreicher Peter Handke.

König Carl XVI (r.) überreicht den Nobelpreis an Peter Handke
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Die Doppelvergabe war notwendig geworden, nachdem die für den Literaturpreis zuständige Schwedische Akademie im Vorjahr durch Skandale und Austritte handlungsunfähig geworden war und die Preisvergabe ausgesetzt hatte. Durch die Zuerkennung des Preises an den österreichischen Dichter, der durch seine als proserbische Parteinahme gewertete Haltung zu den Jugoslawien-Kriegen schon in der Vergangenheit immer wieder umstritten war, ist die Akademie allerdings erneut in Kritik geraten. Einige Mitglieder des diplomatischen Corps waren aus Protest gegen Handke der Zeremonie ferngeblieben.

Die Feier vor 1.560 geladenen Gästen ging routiniert und protokollarisch steif vonstatten. Der Präsident des Verwaltungsrates der Nobel-Stiftung, Carl-Henrik Heldin, sprach gleich zu Beginn seiner Rede vom Klimawandel und den überwältigenden wissenschaftlichen Beweisen, dass unsere derzeitige Lebensweise das Klima negativ beeinflusse. „Wenn junge Leute aufstehen und fordern, dass wir alle der Wissenschaft zuhören und handeln, verdienen sie unsere Unterstützung“, sagte er.

Nach einer kurzen Würdigung durch Anders Olsson, den Vorsitzenden des Nobelkomitees der Schwedischen Akademie, nahm Peter Handke Medaille und Urkunde zu dem mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 850.000 Euro) dotierten Preis aus den Händen des Königs entgegen und absolvierte seine drei protokollarisch vorgesehenen Verbeugungen Richtung König, Richtung Akademie und Richtung Publikum kurz und bündig.

Während auf dem unweit des Konzerthauses gelegenen Platz Norrmalmstorg danach bei einer Anti-Handke-Demonstration auch eine Vertreterin der „Mütter von Srebrenica“ vor den wenigen hundert Teilnehmern sprach, begann in der Blauen Halle des Stockholmer Rathauses das Nobel-Bankett. Den traditionellen Einzug über die Feststiege absolvierte Handke an der Seite seiner Tischnachbarin Matilda Ernkrans, Schwedens sozialdemokratischer Ministerin für Hochschulbildung und Forschung.

Die Gäste bekamen Kalix-Kaviar auf Gurkenbett, mit Totentrompete und Zitronenthymian gefüllte Ente mit Knoblauchkartoffeln und karamellisierten gelben Rüben sowie Himbeer-Schokoladen-Mousse serviert. Kredenzt wurde neben Taittinger-Champagner und Montepulciano auch Eiswein des Langenloiser Weinguts Jurtschitsch.

Zu Kaffee und Likör fiel den Laureaten die abschließende Aufgabe zu, kurze englische Dankesworte an die Gäste zu richten. Peter Handke sprach, das sei zwar der erste „Toast“ seines Lebens, aber schon seine zweite Anrede eines Königspaares – „aber das war im 12. Jahrhundert und ein Traum…“ Seine Wünsche und Grüße gingen an die Wildgänse Nils Holgerssons – dass sie nämlich künftig jedes Land der Welt überfliegen mögen: „Selma Lagerlöfs wild geese forever. Strawberry Fields forever. Wild Strawberries forever.“

Quelle: APA

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