Doppel-Jubiläum

BOKU(TÜWI Gebäude) Foto: Christoph Gruber | BOKU Medienstelle

Universitäten und ehrwürdige Wissenschaftsinstitutionen feiern 2022 runde Jubiläen. Die Paris Lodron Universität Salzburg hat heuer gleich doppelten Grund zum Feiern. Die PLUS – Paris Lodron Universität Salzburg – begeht sowohl den 400. Jahrestag ihrer Gründung wie auch den 60. Jahrestag ihrer Wiedereröffnung. Die Universität für Bodenkultur (Boku) Wien feiert wiederum ihr 150-jähriges Jubiläum und die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) blickt auf ihr 175-jähriges Bestehen zurück. An allen drei Einrichtungen stehen Festveranstaltungen am Programm.

BOKU Wien Foto: Christoph Gruber | BOKU Medienstelle

Universitätsgründungen im 17. Jahrhundert waren nicht simpel. Bevor eine solche entstehen konnte, musste eine Stadt ein Gymnasium besitzen – dieses konnte dann nach dem Einverständnis von Papst und Kaiser „universitas magistrorum et scolarium“ (Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden) erweitert werden, heißt es in der Chronik der Uni. In Salzburg kam noch das Spezialproblem dazu, dass hier der Jesuitenorden nicht angesiedelt war, der für gewöhnlich die Lehrkräfte stellte.

Universität Salzburg Foto: Jorge Franganillo

Werbetour für Lehrpersonal
Erzbischof Marcus Sitticus konnte die Lehrer erst nach einer Werbetour durch Süddeutschland, Österreich und Südtirol gewinnen – so wurde schließlich 1618 das Gymnasium gegründet. Statt der Jesuiten wurden die Benediktiner für das Projekt verpflichtet. Nach Marcus Sitticus‘ Tod 1619 folgte ihm Paris Lodron (1586-1653) in seinem Amt – dieser verlor wiederum keine Zeit zur Universitätsgründung. Schon 1620 stimmte der Kaiser zwar einer „Artistenfakultät und damit einer Art Magisterstudium zu, verweigerte aber sein Ja zu einem Vollstudium.

Paris Lodron ließ allerdings nicht locker und am 4. Oktober 1622 traf das kaiserliche Privileg zur Neugründung einer Salzburger Universität offiziell ein. Am 8. Oktober wurde sie schließlich formell errichtet. Erst verspätet kam dann die Zustimmung des Papstes, nämlich 1625 – deshalb tauchten auch immer wieder 1620 oder 1625 als Gründungsdaten auf.

Ein normales Studium sah damals anders aus als heutzutage. Nach dem Gymnasium folgte einheitlich ein zweijähriges Philosophiestudium, anschließend konnte man sich zwischen Theologie oder Jus entscheiden. Anders als an anderen Unis gab es in Salzburg allerdings keine Medizinische Fakultät, sondern höchstens eine Professur dafür – dieses Schicksal wiederholte sich sehr zum Ärger der Landespolitik nach der Wiedergründung im 20. Jahrhundert.

Wiedererrichtung 1962
Ein allzu langes Dasein blieb der Universität nicht beschieden. Im Zuge der Aufklärung verlor sie an Bedeutung und Studenten. Nach der Angliederung Salzburgs an Bayern 1810 wurde sie wieder zu einem Lyzeum herabgestuft. Erst 1962 wurde sie als Alma Mater Paridiana wiedererrichtet, zwei Jahre später begann der Lehrbetrieb. Am 5. Juli 1962 beschloss der Nationalrat das Bundesgesetz zur Wiedererrichtung der Universität. Ursprünglich wollte man in Wien nur Philosophie und Theologie als Fakultäten in Salzburg ansiedeln. Doch nach Salzburger Protesten gelang es schließlich, eine Volluniversität zu erreichen. Im Jahr 1964 begann der Studienbetrieb an der philosophischen und der theologischen Fakultät, die Juristen konnten 1965 starten. Die – staatliche – medizinische Fakultät blieb ein unerfüllter Wunsch. Dass Salzburg seit 2003 trotzdem Standort einer Medizinischen Universität ist, hat es der Gründung der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) zu verdanken.

Heute zählt die Paris Lodron Universität Salzburg rund 18.000 Studierende – gut ein Viertel davon aus Ländern der Europäischen Union – und 2.900 Mitarbeiter. Sie gliedert sich nach einer Strukturreform seit 1. Jänner dieses Jahres in sechs Fakultäten: die katholisch-theologische, die juridisch-wirtschaftliche, die kulturwissenschaftliche, die gesellschaftswissenschaftliche, die natur- und lebenswissenschaftliche sowie die neu geschaffene Fakultät für digitale und analytische Wissenschaften.

In der Stadt ist die Universität vor allem durch ihre Bauten sichtbar. Beginnend mit den 1980er-Jahren konnte im Rahmen eines riesigen Investitionsprogramms die Altstadtuniversität realisiert werden – unter anderem wurden der Toskanatrakt der Residenz oder die Alte Gewerbeschule für Lehrende und Studierende renoviert. In Freisaal entstand ein großes Gebäude für die Naturwissenschaftliche Fakultät, in Itzling ein Standort für Informatik. Einer der jüngsten Universitätsbauten ist der Unipark Nonntal, wo unter anderem die Sprachstudien beheimatet sind.

Mehr Information rund um die Ausstellung anlässlich des 400-Jahr-Jubliläums der Paris Lodron Universität Salzburg finden Sie unter folgendem Link → Ausstellung PLUSpunkte

Quellen:

https://www.krone.at/2593460

https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Salzburg#/media/Datei:SalzburgUniversityFortress.JPG

https://www.salzburg-altstadt.at/de/veranstaltungskalender/pluspunkte_e_27696

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