Als Siebenjähriger hat Josef Aschbacher am elterlichen Bergbauernhof in Ellmau in Tirol auf einem flimmernden Fernseher die Mondlandung erlebt. „Bei der ESA zu arbeiten war immer mein Traum“, sagte er einmal. Nun steht der 58-Jährige als erster Österreicher an der Spitze der Europäischen Weltraumorganisation.
 

©Kedrik.space, Josef Aschbacher,
CC BY-SA 4.0

Dieser Höhenflug war keineswegs vorgezeichnet, vielmehr sollte der am 7. Juli 1962 geborene Aschbacher als ältester Sohn von sechs Kindern den elterlichen Hof übernehmen. Doch der Bub war wissbegierig und tägliche Visiten in der Pfarrbibliothek angesagt, um wieder ein neues Buch auszuborgen. Stipendium und Nebenjobs ermöglichten den Besuch des Gymnasiums und das Studium. Seine durch die Mondlandung geweckte Faszination ließ ihn Meteorologie und Geophysik an der Universität Innsbruck studieren, etwas „womit man mit dem Weltraum arbeiten kann“, erinnerte er sich.

Von der Uni an die ESA

Gleich nach seiner Dissertation im Jahr 1989 heuerte Aschbacher bei der ESA an. Seine erste Station war das European Space Research Institute (ESRIN) in Frascati bei Rom. Nach Aufenthalten in Asien, wo er am Asian Institute of Technology in Bangkok (Thailand) Erdbeobachtungsmethoden mit Radar-Technologien und Bildverarbeitung lehrte und die Interessen der ESA in Südostasien vertrat, kehrte er 1994 nach Europa zurück. In seinen sieben Jahren am EU-Joint Research Centre in Ispra (Italien) entwickelte Aschbacher das nunmehr unter dem Namen „Copernicus“ bekannte EU-Erdbeobachtungsprogramm mit. Ab 2001 folgte eine siebenjährige Tätigkeit am ESA-Hauptquartier in Paris.

Danach ging der Vater dreier Kinder erneut an das ESRIN nach Italien, wo er für die Programmplanung und Koordination zuständig war. 2016 wurde er Direktor für Erdbeobachtung bei der ESA – der erste Österreicher, der einen Direktorenposten im zehn Mitglieder umfassenden ESA-Direktorium bekleidet.

Rot-weiß-rote Sensation

Dass mit Aschbacher ein Österreicher ab März dieses Jahres den amtierenden Generaldirektor Jan Wörner an der Spitze der ESA ablöst, gilt als kleine Sensation. Den ESA-Generaldirektor stellten bisher vor allem die großen Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, Österreich trägt dagegen rund ein Prozent zum ESA-Budget (6,7 Milliarden Euro im Jahr 2020) bei.

Der derzeitige ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme kündigte an, seinen detaillierten Plan bei seinem Amtsantritt vorzustellen. Einer seiner Schwerpunkte werde jedenfalls auf der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen der ESA und EU liegen, mit der er auf eine lange Historie der Zusammenarbeit zurückblicken könne. Außerdem wolle er Wörners Initiativen fortführen, um die Kommerzialisierung der europäischen Raumfahrtindustrie zu intensivieren. Oft stelle sich die Frage, warum Europa bisher keine Firma wie SpaceX hervorgebracht hat. Er habe „einige Ideen, wie sich das ändern kann“, sagte Aschbacher, der sich zusammen mit Wörner um einen „sanften Übergang“ bemühen will.

Es liege in der ESA in der Natur der Sache, dass man die verschiedenen Sichtweisen und Interessen der kleinen und großen Länder oder des Nordens und des Südens unter einen Hut bringen muss, sagte Aschbacher. Er müsse dafür sorgen, dass Lösungen und Kompromisse auf den Tisch kommen. „Genau das habe ich fast meine ganze Karriere lang gemacht“, so der designierte Generaldirektor.

Die für die heimischen Weltraumagenden zuständige Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) würdigte den designierten ESA-Chef aufgrund seiner langjährigen Expertise als „exzellente Besetzung für diese Position“. Er sei „ein Garant für die gute Zusammenarbeit zwischen ESA und der Europäischen Union“, so die Ministerin. Diesen Aspekt hob auch die Vereinigung der österreichischen Weltraumindustrie und Forschungseinrichtungen, Austrospace, hervor: „Unter dem Management von Aschbacher konnte Ende 2019 die Finanzierung der Entwicklung einer neuen Generation von Copernicus-Satelliten sichergestellt werden, die unter anderem die globale Verteilung von CO2-Emissionen verfolgen werden.

.„Ellmau goes sky“

Am Fuße des Wilden Kaisers schlug die Nachricht, dass Josef Aschbacher ESA-Chef wird, ein wie ein Meteorit. „Ellmau goes sky“, jubelt Bürgermeister Nikolaus Manzl. In gewisser Weise sei die Gemeinde jetzt mit dem Himmel verbunden.

Einerseits soll das laut ESA-Insidern auch dieses Mal eine Rolle gespielt haben. Da Aschbacher einige Jahre bei der EU-Kommission engagiert war und bei der ESA immer wieder an wichtigen Positionen eingesetzt wurde, ist er sowohl in der Politik als auch in der Wissenschaft bestens vernetzt.

Andererseits muss er bei den fachlichen Hearings einen herausragenden Eindruck hinterlassen haben. In einer geheimen Test-Abstimmung Ende November im ESA-Rat sollen 18 von 21 Stimmen auf ihn entfallen sein, er setzte sich klar gegen Mitbewerber aus Spanien und Norwegen durch.

Das ist die ESA

Gründung. Die ESA wurde 1975 mit dem Ziel der friedlichen Erforschung des Weltraums gegründet, derzeit hat sie 22 Mitgliedsländer. Österreich ist seit 1987 mit an Bord und stellt mit Josef Aschbacher zum ersten Mal den Generaldirektor. Er löst 2021 den Deutschen Jan Wörner ab, der sich nicht für eine zweite Amtszeit von vier Jahren beworben hat.

Standorte. Das Hauptquartier der ESA liegt in Paris, es gibt acht weitere Standorte in Europa sowie den europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana. Von dort aus starten Europas Ariane- und Vega-Raketen zu Forschungs- und wirtschaftlichen Zwecken in Richtung All. Der gesamte Mitarbeiterstand der Organisation umfasst derzeit etwa 2300 Personen.

Erfolge. Einer der wahrscheinlich größten Erfolge der Organisation in den vergangenen Jahren war die „Rosetta“-Mission mit der Landung einer Sonde auf dem Kometen „Tschuri“ im November 2014.

Weggefährten wie Thomas Nagler, die ihn seit seiner Zeit an der Uni Innsbruck kennen, sehen den Geophysiker als geschaffen für den neuen Job – und nicht wie Viehböck an Bord einer Rakete, umgeben von Stahl und Computern. Der Sohn eines Bergbauers aus Ellmau könne mit Menschen noch besser umgehen als mit Maschinen. „Er war sehr zielstrebig und konsequent, aber trotzdem immer kollegial und er hat den Jüngeren am Institut wie mir geholfen“, erzählt Nagler, der in den 80er-Jahren mit Aschbacher am Institut für Meteorologie und Geophysik ein Büro teilte. „Seine Stärke ist, dass er gut zuhört, andere überzeugen kann und bei Problemen bis zum Schluss, solange es dauert, einen Konsens sucht“, beschreibt er den nächsten ESA-Chef.

Obwohl sich inzwischen seine Perspektive verändert hat. Er blickt nicht mehr hinauf zu Mond und Sternen, dafür hat er mit den Satelliten aus dem von ihm mitentwickelten Programm „Copernicus“ einen Überblick über die Erde. Seit 2016 leitet er als Direktor das gesamte ESA-Erdbeobachtungsprogramm, das unter anderem wichtige Daten für die Klimaforschung liefert.

In einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung fasste er 2019 seine Arbeit so zusammen: „Mit der Erdbeobachtung können wir dazu beitragen, unseren eigenen Lebensraum zu verbessern, und sichtbar zeigen, was sich verändert. Das ist wichtig, um eingreifen zu können und Schäden zu verhindern.“ Diese Aufgabe wird er in Zukunft vom höchsten ESA-Posten aus fortsetzen. Seine erste Reise als designierter Generaldirektor führte Aschbacher nach Wien, um über Weltraumforschung und Klimaschutz zu sprechen.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Aschbacher

https://www.news.at/a/josef-aschbacher-11817055

https://volksblatt.at/oesterreicher-josef-aschbacher-naechster-esa…

https://science.orf.at/stories/3203611

https://www.tt.com/artikel/17663855/ein-raketenhafter-aufstieg-tiroler…

https://www.kleinezeitung.at/international/5912656

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